Uchiha (Teil 1)

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1 Kapitel - 4.110 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-01-15 - Entwickelt am: - 3.462 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das ist der Anfang meiner besten Geschichte. Zuerst geht es um Madara, Nagato und Konan

    1
    Kapitel 1

    Madara Uchiha


    Ame Gakure, Frühjahr 1986

    Der Regen fiel fast lautlos auf die Straße. Seit Wochen war kein Sonnenstrahl zu sehen gewesen. Obwohl es wohl später Nachmittag war, war es fast so dunkel wie in der Nacht. Nur das Licht der Laternen, die die Ninjakrieger vor einigen Wochen in das Dorf gebracht hatten, warf seinen blauen Schein auf den ehemals recht städtischen, verregneten und nun schwer zerstörten Ort.
    Obwohl Ame Gakure seinem Namen- Dorf des Regens- alle Ehre machte, und es auf nur wenige Sonnenstunden im Jahr brachte, konnte man hier eigentlich einigermaßen gut leben. In friedlichen, normalen Zeiten.
    Aber war Krieg. Schon seit fünf Jahren herrschte ein schwerer Weltkrieg in der Shinobi-Welt, der dritte große Krieg seit der Gründung des Dörfer-Machtsystems. Die Großmächte Konoha Gakure, Suna Gakure, Kumo Gakure und Kiri Gakure bekämpften sich um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Vor vier Wochen hatten die Kämpfe der großen Ninja-Armeen dann das kleine, verregnete und recht unbedeutende Ame Gakure erreicht. Für die großen Reiche war Ame nur das graue Dorf, das eben in einer unvorteilhaften Lage war, zwischen den mächtigen Ninja-Dörfern.
    Nach vier sehr langen Wochen, die Ame versucht hatte, sich gegen Konoha, Kumo und Kiri zu wehren, war das Dorf geschlagen und nur noch eine Ruinenstadt.
    Auf dem von Trümmersteinen übersäten, löchrigen Dorfplatz, inmitten eines Kreises leerer, zerstörter Häuser, hatten sich etwa vierzig Ninjakrieger aus dem siegreichen Konoha-Gakure um ein schwarzes Feuer versammelt. Ihre Stirnbänder zeigten eine Art Schnecke, das Dorfsymbol, das ein Laubblatt darstellte. Sie waren müde vom Kämpfen, freuten sich aber auch, denn der Krieg war so gut wie gewonnen. Zwar kämpften vor den eingestürzten mauern von Ame immernoch Kumo und Kiri gegeneinander, aber Konoha hatte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bereits gesiegt. Der Krieg war fast vorbei. Nach langen fünf Jahren waren die Machtverhältnisse geklärt.
    Zehn der etwa vierzig Konoha-Ninjas standen etwas abseits der anderen, die um das seltsame, schwarze Feuer saßen, in einem Außenbogen nebeneinander. Sie suchten mit ihren Augen wachsam die dunklen Ruinen nach Sprengfallen und feindlichen Ninjas ab. Diese zehn Ninjas hatten alle besondere Suchfähigkeiten: Augen, die durch alles hindurchsehen konnten, ein besonderes Gespür für Chakra oder konnten mit ihren scharfen Sinnen Spuren nachverfolgen. Einige konnten sogar versiegelte Dinge ausfindig machen.
    Die Bewohner von Ame waren längst geflohen, vielleicht bis auf einige wenige, für die Konoha-Ninjas unbedeutende Ausnahmen. Das Dorf schien menschenleer, zumindest von Bewohnern. Die, die geflohen waren, hatten ihre eigenen Kriegstoten mitgenommen und niemand, keiner von ihnen, leistete mehr Widerstand. Die letzten Bewohner von Ame Gakure waren ein paar Waisenkinder, die vergessen worden waren, sich versteckten und unter allen möglichen Verletzungen und durch den jahrelangen Dauerregen bedingten Erkältungen litten.
    Das bläuliche Licht der Laternen fiel auf einen leuchtend orangen Farbfleck im offenen Türrahmen eines Hauses, das mehr eine Ruine war und früher wohl mal drei Stockwerke gehabt hatte. Der Farbfleck war das orangene, in einer Stachelfrisur vom Kopf abstehende Haar eines etwa sieben Jahre alten Jungen mit auffallend blasser, ja weißer Haut. Er trug eine zerschlissene, graue Regenjacke, eine angerissene Hose und abgenutzte Ninjasandalen. Der schwarze Regenschirm, den er unsicher mit seinem Kinn an seine linke Schulter geklemmt hielt, war ebenfalls angerissen und löchrig und bot kaum Schutz vor dem endlosen Nieselregen.
    Der Junge wirkte weit älter als sieben, sein blasses Gesicht mit den weißlosen, lila Augen sah viel älter aus, reifer und hungrig. Es war das Gesicht eines Jungen, der statt zu spielen und zur Schule zu gehen, ohne Hilfe ums Überleben kämpfte und bereits Verantwortung trug. Nicht nur für sich selbst.
    Denn seine Arme stützten, statt des Regenschirmes oder eines Rucksacks, zwei kleine, weiße Beinchen in zerrissenen weißen Socken und alten, etwas zu kleinen, mit winzigen Blümchen bestickten Kleinkinderschuhen. Eine ebenso kleine, schneeweiße Hand tastete unter dem schwarzen Schirm hervor und patschte auf die Wange des Jungen. Der drehte seinen Kopf vorsichtig nach rechts, versuchte dabei, den Schirm festzuhalten und lächelte dem Kleinkind, das er auf dem Rücken trug, ermutigend zu.
    „Ha-ha-hatschiii!“ das kleine Kind nieste plötzlich.
    Der Schirm verlor durch die ruckartige Kopfbewegung des Kleinkindes den Halt und fiel neben dem Jungen in den Bogen des Türrahmens. Jetzt war auch der Kopf des kleinen Kindes zu sehen. Es war ein Mädchen, etwa zwei oder drei Jahre alt und ebenso blass wie der Junge. sein kleines, weißes Gesicht war recht hübsch, von helllila Locken umrahmt und mit ausdrucksvollen, ockergelben Augen, die jedoch in diesem Moment vom Niesen zugekniffen waren. Das kleine Mädchen hatte Schnupfen und hätte sich längst mal die Nase putzen müssen, was aber nicht ging, denn weder sie noch der Junge besaß ein Taschentuch.
    „I-ich frier, Nagato!“ das Mädchen schniefte, „hab Hunger!“ es beugte sich weit vor, so dass die fast kinnlangen, lila Locken hübsch um ihr weißes Gesicht fielen.
    „Ich weiß ja, Konanchen. Aber ich kann nichts machen. Ich hab auch nichts zu essen und kalt ist es hier überall.“ erwiderte Nagato traurig.
    Die Kleine hörte zwar, was Nagato sagte und sie verstand ihn auch. Aber sie hatte seit zwei Tagen nichts Rechtes gegessen, fror und hatte Schnupfen. Konan war kein nachgiebiges, einsichtiges Kind. Sie war eigensinnig und wenn etwas nicht so lief, wie sie wollte, konnte sie sehr wütend werden. Jetzt hatte sie allgemein schlechte Laune und fand, dass sie damit vollkommen im Recht war. Das Wetter war wie immer furchtbar, die Männer auf dem Platz und der Kampflärm vor dem Dorf machten ihr Angst.
    Was tut ein Mädchen von zwei Jahren, wenn es schlecht gelaunt ist, Angst hat und friert, außerdem einen riesigen Hunger hat? Wenn sie nicht mehr den Mund halten kann, weil ihr besorgter Beschützer ihr den in den letzten immer wieder zugehalten hatte, damit sie still war und niemand sie beide bemerkte?
    „Neeeee! Soll nicht mehr regnen! Soll aufhören! Will was essen haben! Ich friert! Konanchen is k-k-kalt!“ schrie sie.
    „Konan! Scht, sei bitte leise.“ ermahnte Nagato das kleine Mädchen.
    „Nein! Will was zum Essen haben! Konanchen hat großen hu-hu-Hunger!“ weinte sie und schniefte laut. Sie wischte sich mit dem Handrücken über die leicht rosa verfärbte Nase, was aber so gut wie nichts brachte.
    „Konan, sei bitte still! Sonst bemerken uns die Konoha-Ninjas noch. Das ist gefährlich.“ versuchte Nagato erneut, die Kleine auf seinem Rücken, die die anderen Waisenkinder fälschlicherweise für seine kleine Schwester hielten, zu beruhigen. Sie war nicht mit ihm verwandt, sondern das Kind entfernter Nachbarn. Die waren vor einem halben Jahr wie so viele andere einfach spurlos verschwunden und hatten ihre Tochter ohne Erinnerung an ihre Eltern im Haus zurückgelassen. Nagato hatte Konan gefunden, in seinem Zimmer aufgenommen und kümmerte sich seitdem um sie. Seine Eltern waren genau wie ihre längst gefallen.
    Jetzt hatten Nagatos Beruhigungsversuche keinen Erfolg. Konan war sauer. Sie sah nicht ein, warum sie ihrem Unmut über die furchtbare Situation nicht Luft machen sollte und schrie immer lauter.
    In der Mitte der Reihe der Konoha-Ninjas, die das Dorf beobachteten, standen zwei der stärksten Ninjas ihres Clans: Madara und Yoshio Uchiha. Beide hatten endgültig genug von diesem Krieg. Madara, der etwas jünger als Yoshio, fünfundzwanzig Jahre alt, war, hatte als einziger das laute Weinen des kleinen Mädchens in der Hausruine gehört. Yoshio hatte Frau und Kind zuhause, er blendete die Kriegskinder aus verständlichen Gründen aus. Auch sonst achtete niemand auf den blassen Jungen mit dem kreischenden Mädchen auf seinem Rücken.
    Madara hatte längst begriffen, dass dieser Krieg nichts als Tod und Schmerz brachte. Die Kinder hier in Ame Gakure waren der beste Beweis dafür. Irgendjemand musste irgendwas dagegen tun.
    In diesem Moment begann Madaras Gehirn zu arbeiten. Es dachte nach, entwickelte einen Plan. Madara wusste, dass er der war, der etwas tun musste. Er galt als der talentierteste und stärkste Ninja des Uchiha-Clans, der Familie in Konoha Gakure, die schon seit Generationen die talentiertesten Ninjas des Dorfes hervorbrachte. In diesem Clan war so ziemlich jeder begabt und die meisten sahen mit ihren schwarzen Haaren und schön geschnittenen Gesichtern auch noch gut aus. Talent und Aussehen vererbten sich im Uchiha-Clan besonders auffällig, genau wie die Blutgruppe- AB negativ- die bei ihnen besonders oft vorkam. Diese sonst recht seltene Blutgruppe war in den Genen an das Kekkei Genkai gebunden, im Uchiha-Clan war es das Sharingan: rote Iris mit einem schwarzen, mandala-artigen Muster um die Pupille herum. Wenn man es aktivierte, verbrauchte es viel Chakra, aber es war sehr stark.
    Madara hatte seinen Sharingan viele Fähigkeiten angeeignet, sodass seine sonst schwarzen Augen den dunklen Wimpern fast immer die rote, schwarz gemusterte Färbung hatten. Es gelang ihm immer, genug Chakra aufzubauen.
    Yoshio Uchiha, der neben Madara stand, hatte schwarze Augen. Er aktivierte seine Sharingan nur im Kampf.
    Madara war mit ihm weitläufig über die gemeinsame Großmutter Yoneko Uchiha verwandt. Er wusste, dass Yoshio und dessen Frau Ikue einen Sohn hatten. Ikue war Madaras und Yoshios Cousine, meist wurde innerhalb der Familie geheiratet, um die Blutlinie zu erhalten und neue, starke Talente hervorzubringen. Bei Ikues und Yoshios Sohn war das offensichtlich gelungen. Sein Name war Itachi, er war fünf Jahre alt und zeigte bereits viele der ersten Anzeichen von ungeheuer vielversprechendem Talent. Das war zu erwarten, denn Ikue hatte das gesamte Talent ihrer Großmutter Yoneko geerbt. Yoneko galt als hochbegabte Kunoichi und dieses Talent schien über ihr Tochter Minoko und deren Tochter Ikue an Itachi weitervererbt worden zu sein. Der Fünfjährige konnte schon fast perfekt lesen und schreiben, beherrschte Kunai und Shuriken und hatte sein Chakra bereits unter Kontrolle. Er lernte bei Yoneko und ging außerdem schon in die Schule. Madara hatte mit fünf Jahren ähnliche Fähigkeiten gehabt. In der Hauptfamilie, die von Yoneko und ihrem Mann Yoshinaka abstammte, war die Talentdichte an höchsten.
    Madaras Blick wanderte zu dem Jungen mit den leuchtend orangen Haaren hinüber. Das kleine Mädchen mit den lila Locken schrie noch immer. Es war erkältet, das war ja kein Wunder bei diesem Wetter. Unwillkürlich fragte Madara sich, ob er so etwas wie ein Taschentuch dabei hatte.
    Konan schniefte. Sie war immernoch hungrig, fror und das ständige Hochziehen-müssen vom Schnupfen störte sie gewaltig. Es schien ihr völlig unmöglich, auf Nagato oder ihre gemeinsame Sicherheit Rücksicht zu nehmen.
    Man hätte vermuten können, dass sie ihre Eltern vermisste. Aber Konan hatte ihre Eltern schon so früh verloren, dass sie sich nicht an sie erinnern konnte. Sie vermisste sie nicht, wusste nicht einmal, dass es für andere Kinder ihres Alters ganz selbstverständlich war, welche zu haben.
    „Konanchen, sei bitte, bitte still!“ bat Nagato mit einer Mischung aus Sorge und mühsam verborgenen Genervtseins. Ihm taten schon die Ohren weh von Konans Geschrei.
    Und Konan wurde still. Allerdings nicht, weil Nagato sie so darum gebeten hatte, sondern weil sich gerade einer der Ninjas aus Konoha Gakure zu ihr und Nagato umgedreht hatte und sie ansah. Es war einer der Ninjakrieger, die das Dorf beobachteten, während die meisten anderen sich am Feuer versammelt hatten, das so schwarz war, dass es, statt Licht abzugeben, welches aufnahm.
    Den Anblick des schwarzen Feuers waren Konan und Nagato inzwischen gewöhnt, denn in den letzten drei Wochen hatten sie es oft gesehen. Nagato wusste, dass dieses besondere Feuer den Namen Amaterasu trug. Die stärksten Ninjas verwendeten es, um ihre Schwerter darin zu schärfen. Nagato hatte beobachtet, wie einer der Krieger das Feuer, zu Anfang nicht größer als eine Kerzenflamme, aus einer kleinen Laterne geholt und durch Zugabe von normalem Feuer auf die Größe eines Schmiedefeuers gebracht hatte. Der einzige Zweck dieses seltsamen Feuers schien die Herstellung und Härtung von Schwertern und Shuriken zu sein, die nach dem Schärfungsprozess eine schwarze, glänzende Patina annahmen.
    Konan war plötzlich vollkommen still. Sie schien sogar die Luft angehalten zu haben. das wunderte Nagato, denn normalerweise brauchte das kleine Mädchen recht lange, um sich nach einem solchen Wutanfall wieder zu beruhigen und meistens fing sie kurz danach wieder an zu schreien. Er folgte dem Blick ihrer erschrocken und erstaunt geweiteten Augen und blickte direkt in die tiefroten Sharingan eines Kriegers in glänzender roter, aus mehreren, aneinandergehängten Platten bestehender Rüstung. Das schwarze Haar des Shinobis war rückenlang, sehr voll und stand am Hinterkopf weit ab. Nagato hatte noch nie jemanden mit so langem, voluminösem Haar gesehen. Aber er sah ihn nicht zum ersten Mal, denn dieser Mann, der in der Mitte der wachhabenden Ninja stand, war der einzige Shinobi in der Armee, der das Amaterasu-Feuer verwendete und er war auch der einzige, der es wie einen vertrauten Geist beschwören konnte. Nagato wusste nicht, wie der Mann hieß, aber es war vollkommen klar, dass es sich bei ihm um einen der stärksten Konoha-Ninjas handelte.
    Und es war ebenso klar, worauf in diesem Moment der Blick seiner roten Augen lag. Nicht auf dem Haus, in dessen Tür Nagato stand, sondern auf Nagato selbst und auf Konan. Der fast mitleidige Blick des Mannes lag auf Konans weißem Gesichtchen, das ihn verschnupft und verweint anstarrte und stumm um etwas zu essen bat.
    „Siehst du, Konanchen, jetzt hat er uns bemerkt!“ dachte Nagato panisch. Er hatte sich immer verzweifelt Mühe gegeben, den Ninjas nicht aufzufallen. Doch jetzt sah es so aus, als hätte Konans unvernünftiges Geschrei sie beide in Lebensgefahr gebracht.
    Ein Blick des hungrigen, kleinen Mädchens hatte ausgereicht. Ein einziger Blick in die großen, ockergelben Augen dieses Kindes brachte das Fass für Madara zum Überlaufen. Der Plan in seinem Kopf nahm mit wahnsinniger, kühner und überaus wagemutiger Geschwindigkeit feste Formen an. Innerhalb weniger Augenblicke stand es fest. Madara Uchiha hatte sich entschieden. Es gab keinen anderen Weg, auch wenn dieser Weg ein aufgebender, schwieriger Weg war. Er musste es tun. Konoha hatte gesiegt und sollte Madara mit zwei Kindern aus Ame ins Dorf kommen, würden die Anbu die beiden wie Kriegsgefangene behandeln.
    Madara galt zu Recht als impulsiv und manchmal einzelgängerisch, aber er hatte ein gutes Herz. Diese Zusammensetzung seines Wesens zeichnete in diesem Moment seinen Weg vor. natürlich würde Konoha ihm fehlen, besonders seine Großmutter Yoneko. Und er hätte gern zugesehen, wie Ikues und Yoshios Sohn sein Talent entfaltete. Aber er wurde nicht unbedingt gebraucht in Konoha. Aber dafür hier. Diese beiden blassen, frierenden Kinder brauchten Hilfe. Und Madara spürte eine seltsame Vertrautheit zu den beiden. Er würde nicht noch einmal wegsehen und zulassen, dass Kinder litten. Er würde ihnen helfen. Und zwar jetzt und sofort. Bevor er sich zu einem schnellen und möglichst unbestimmten Abschied zu Yoshio umwandte, atmete er kurz und tief durch.
    „Yoshio, ich hab da drüben etwas entdeckt. Das haben die aber gut versteckt. Ich geh mal eben da rüber und überprüfe das.“ es waren keine wirklichen Abschiedsworte. Yoshio sollte schließlich nicht merken, dass Madara nur etwa fünfzehn Schritte vor der Desertation stand. Fünfzehn einfache Schritte zwischen dem Punkt, wo er stand und dem Haus, in dessen Tür die Kinder standen.
    „In Ordnung. Wenn es Sprengfallen sind, entschärfst du sie. Das dürfte doch kein Problem für dich sein, Madara.“ erwiderte Yoshio. Mit geübter Eleganz und der Perfektion eines Schauspielers drehte Madara sich um und ging zu dem halbzerstörten Haus hinüber. Er achtete sorgfältig darauf, zwischen Yoshios Blickfeld und den Kindern zu gehen, damit Yoshio die beiden nicht sah.
    In seiner Gürteltasche suchte Madara nach dem Tuch, das er immer dann benutzte, wenn seine Augen nach der häufigen Benutzung der Sharingan tränten.
    Am Rand des Lagers um das schwarze Feuer stand Madaras Armeerucksack. Es fiel wohl nicht auf, wenn er seine Ausrüstung zu einer vermeintlichen Bombenentschärfung mitnahm. Aber Amaterasu konnte er auch nicht einfach hierlassen. Er brauchte es. Mit einer Handbewegung löschte er das schwarze Feuer, das sofort als Kerzenflamme in die kleine Laterne an seinem Rucksack zurückkehrte, und ersetzte es auf dem Lagerplatz durch ein normales Feuer. Dann schritt er mit dem Rucksack über der Schulter und dem Tuch in der linken Hand auf die verängstigt erstarrten Kinder zu.

    Als der rotäugige Ninja auf sie zukam, tat Konan ihr wütendes Geschrei leid. Sie merkte plötzlich, dass sie Nagato und sich selbst in Gefahr gebracht hatte. Aber jetzt war es zu spät. Der Mann mit dem dichten, langen schwarzen Haar kam zielstrebig auf sie zu. Konan war viel zu erschrocken, um zu schreien oder etwas zu sagen. Und Nagato schien am Boden festgewachsen zu sein. An Flucht oder daran, um Hilfe zu schreien, war gar nicht zu denken.
    „Ich lass nicht zu, dass jemand Konan was tut!“ dachte Nagato nur, „ich werde sie mit meinem Leben beschützen.“
    Der Ninja blieb genau einen Schritt vor Nagato und Konan stehen. Erst blickte er sie nur an, dann huschte ein freundliches Lächeln über sein Gesicht.
    „Habt keine Angst. Ich will euch nichts tun.“ sagte er und streckte seine linke Hand aus, „hier, kleines Mädchen, das ist für dich. Du siehst ganz verschnupft aus.“
    Konan starrte ihn nur stumm an. Sie wusste nicht, wie sie das finden sollte. Ein feindlicher Ninjakrieger bot ihr sein Taschentuch an.
    „Ich tu euch nichts.“ wiederholte der Ninja, „ihr könnt mir vertrauen. Und du, Kleine, du siehst doch mit sauberer Nase viel hübscher aus.“
    Endlich fand Nagato seine Sprach wieder.
    „Was wollen Sie?“ fragte er misstrauisch.
    „Ihr könnt nicht hier bleiben. Das ist viel zu gefährlich und wenn ihr weiter in diesem endlosen Regen lebt, bekommt ihr noch beide eine Lungenentzündung. Außerdem habt ihr doch kaum noch was zum Essen, oder?“
    „Sie wollen uns… helfen?“ fragte Nagato. Er konnte es nicht glauben. Ein feindlicher Ninja aus Konoha Gakure bot ihm und Konan seine Hilfe an?
    Der Krieger lächelte. Er hielt Konan das Tuch direkt vor die Nase. Konan sah direkt in seine Augen. Sie wirkten schon etwas unheimlich mit dem seltsamen, schwarzen Muster, aber sie lächelten. Und Konan, das kleine Mädchen von zwei Jahren, war überzeugt. Sie griff nach dem weißen Tuch.
    „Danke chön.“ flüsterte sie und wischte mit dem Tuch über ihre Augen. Es war so schön weiß, mit einem aufgestickten, rotweißen Blattfächer in einer Ecke. Zum Naseputzen nahm Konan lieber den Ärmel ihres ohnehin schon schmutzigen Kleidchens.
    „So, und jetzt müsst ihr hier weg. Nehmt eure Sachen und dann bring ich euch an einen sicheren Ort.“ sagte der Ninja.
    „Wissen Sie denn einen?“ wollte Nagato wissen. Er traute dem Fremden immernoch nicht ganz. Der schob ihn jetzt vorsichtig zur Seite und betrat das zerstörte Haus.
    „Ja, ich weiß einen Ort. Aber wir müssen schnell weggehen.“ der Ninja sah sich kurz in der Hausruine um. Auf dem kalten Boden, unter den Resten einer Treppe, lagen der Futon, den Nagato sich mit Konan teilte und zwei mittelgroße Taschen, die den gesamten Besitz der beiden enthielten.
    „Sie haben uns noch gar nicht gesagt, wie sie heißen.“ sagte Nagato, während er versuchte, Konan auf den Boden zu setzen, um die Taschen und den Futon zu verpacken.
    „Mein Name ist Madara Uchiha.“ antwortete der Ninjakrieger, „ihr zwei könnt gern „du“ zu mir sagen.“
    „Hm… du heißt Dara?“ fragte Konan, du inzwischen auf dem Boden saß, und schaute zu Madara auf. Der musste lächeln.
    „Ma-da-ra, Konanchen, nicht Dara.“ berichtigte Nagato das kleine Mädchen.
    „Ist schon in Ordnung.“ Madara half Nagato, den Futon zu verpacken. Jetzt musste alles möglichst schnell gehen. Das Haus hatte eine Hintertür, die würden sie nehmen. Die vordere Tür war viel zu riskant, da würden Yoshio und die anderen Madara mit den Kindern bestimmt sehen.
    Nagato hatte sich die beiden schweren Taschen umgehängt und trug dazu noch den Regenschirm. Wenn er jetzt noch Konan auf seinen Rücken nahm, würde das vielleicht zu schwer für ihn werden.
    „Da tu ich aber nicht mehr zwischenpassen.“ bemerkte Konan wahrheitsgemäß und zeigte auf Nagatos Rücken und die schweren Taschen. Sie hatte sich schnell mit dem Gedanken angefreundet, von hier wegzukommen. Vielleicht schien ja da, wo Madara mit ihr und Nagato hinwollte, die Sonne? Sie hatte in ihrem Leben erst eine Stunde und fünf Minuten Sonnenschein erlebt. Den ganzen Tag Sonne, das musste herrlich sein!
    „Das stimmt. Das wäre wirklich zu schwer. Du kannst ja kaum die beiden Taschen tragen.“ sagte Madara und befestigte den Futon auf seinem Armeerucksack.
    „Du kannst mich doch tragen, Dara.“ Konans Augen leuchten bei dem Gedanken, auf Madaras Schultern sitzen zu dürfen und sich an seinem langen, dichten Haar festhalten zu dürfen.
    Madara lächelte, schob sein Haar beiseite, hob Konan vorsichtig hoch und setzte sie auf seine Schultern. Er spürte die Verantwortung, die er jetzt mit dem kleinen Mädchen trug und war sich sicher, das richtige zu tun und sich richtig entschieden zu haben. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Von diesem Moment an war er, Madara Uchiha, aus Konohas Sicht abtrünnig und trug die ganze Verantwortung für die Kinder. Vielleicht hatte er überstützt gehandelt, nicht genug darüber nachgedacht. Nein, er hatte ja schon lange vorher genug vom Kämpfen in diesem Krieg gehabt. Spätestens, als Kumo Gakure einen Bijuu-Geist, die Zweischwänzige Katze, in den Kampf geschickt hatte, war Madara der Krieg endgültig zuwider gewesen. Denn die Zweischwänzige Katze, Nibi genannt, war in einem Menschen versiegelt, der damit zur Jinchu-Kraft gemacht worden und wurde nun von Kumo gezwungen, sich unter größtem eigenen Risiko und Schmerzen immer wieder in Nibi zu verwandeln. Madara hatte alles nach Informationen abgesucht, die helfen könnten, dieses Geschehen zu verhindern und war fündig geworden. An der Idee, die er mithilfe dieser Informationen bekommen hatte, musste er allerdings noch arbeiten. Vielleicht, so hoffte Madara, ließ sich mit dieser Idee die Welt verbessern. Einen kurzen Moment dachte er an seinen jüngeren Halbbruder, der Konoha vor fünf Jahren im Alter von fünfzehn verlassen hatte und den er seit dem zu vergessen versuchte.
    „Das ist auch für dich, Izuna. Die Welt muss ein Stück besser werden.“ dachte Madara.

    Nagato kletterte hinter Madara über Trümmer und Gräben, die sich durch ganz Ame zogen. Die Trageriemen der beiden vollgepackten Taschen schnitten in seine Schultern. Aber sowas machte Nagato schon lange nichts mehr aus. Er wusste zwar, dass er sieben Jahre alt war, aber der Krieg hatte seine Spuren in Nagatos Seele und auf Gesicht und Körper hinterlassen. Seine Züge waren ernst, sein Körper sehnig und ausgehungert, seine Seele hatte die Farbe einer fast sternlosen Nacht. die Sterne hießen alle Konan.
    Er hob den Kopf und warf einen Blick auf Konan, die noch immer auf Madaras Schultern saß und sich müde in dessen dichtes, volles Haar kuschelte, das wie ein langes Fell um sie herumwehte.
    Nagato war immernoch misstrauisch, aber solange Madara gut zu Konan war, würde er dem Ninja keine Widerworte geben.
    „Wenn Madara sich mein Vertrauen verdient hat“ dachte Nagato, „dann werde ich ihn vielleicht bitten, mir etwas beizubringen. Dann werde ich auch ein Ninja. Möglicherweise habe ich ja Talent.“

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