Seine Welt 4

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3 Kapitel - 6.788 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-01-15 - Entwickelt am: - 4.352 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 7 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt

So, das ist schon der vierte Abschnitt. Jetzt kommt mein Lieblingskapitel. Es wird roooomaaaaantiiiisch (^o^)/.

1
Am Montag, so um halb sieben, rief Midori an. Ich stand blitzschnell auf, schnappte mir das Telefon und stellte auf Lautsprecher, damit ich mich beim Telefonieren anziehen konnte.
„Hanne, wir haben schulfrei. Ich kann leider nicht bei dir vorbeikommen. Wir haben nämlich heute ein cha-no-yu im Haus, eine Teezeremonie. Da muss ich dabei sein.“ sagte Midori.
„Ich werd wohl den Tag über lernen. Meine Eltern sind nicht da, nur Jannika und die hat auch frei.“
„Okay, dann viel Spaß mit den Hausaufgaben, Hanne.“ sie legte auf.
Ich frühstückte mit Jannika zusammen, dann rief sie ihre Freundin an und ich wandte mich dem letzten Stück Arbeit an Gaaras Matheheft zu. Es war nicht mehr viel zu tun, ich war bald damit fertig.
Als Jannikas Freundin Elvira kam, wurde es im Nebenzimmer so laut, dass ich weder arbeiten, noch von Gaara träumen konnte. Ich hatte ihn jetzt zwei ganze Tage lang nicht gesehen und vermisste ihn.
Elvira gehörte zu der Sorte elfjähriger Mädchen, die bei jeder Gelegenheit kicherten, alles lustig fanden und unheimlich nerven konnten. Sie war auf dem Barbie-Trip, lackierte sich die Fingernägel knallpink und trug rosa Glitzersachen. Außerdem liebte sie es genau wie Jannika, sich ungefragt hin anderer Leute Angelegenheiten einzumischen. All das war aus dem quietschenden Kieksen herauszuhören, das unablässig aus Jannikas Zimmer kam.
Es klingelte an der Tür. Zum Glück war Jannika mit Elvira und dem Kram, den diese mitgebracht hatte, vollauf beschäftigt und so konnte ich die Tür öffnen.
„Guten Morgen, Hanne.“ sagte Gaara, „Midori hat mir erzählt, dass deine Eltern heute nicht da sind, deshalb dachte ich, ich komm mal vorbei.“
Midori! Sie hatte Schicksal gespielt. Wahrscheinlich hatte sie sofort, nachdem ich aufgelegt hatte, bei Gaara angerufen und ihm erzählt, dass er bei mir vorbeikommen sollte. Aber sauer konnte ich deswegen nicht auf Midori sein. Schließlich hatte ich Gaara vermisst.
Ich konnte nur hoffen, dass Jannika mich und Gaara in Ruhe ließ.
„Wer ist denn da?“ fragte Jannika von oben.
„Nur jemand aus der Schule. Wegen einem Projekt.“ ich versuchte, möglichst überzeugend zu klingen.
Zu Gaara sagte ich: „Meine kleine Schwester ist auch da, und ihre Freundin. Aber die beiden bleiben in Jannikas Zimmer. Ich hab übrigens dein Matheheft fertig überarbeitet.“
Ich führte ihn in mein Zimmer. Die einzige Sitzgelegenheit war mein Bett, Jannika hatte meinen Schreibtischstuhl mal wieder entführt. Also setzten wir uns auf mein Bett. Ich gab ihm das Heft zurück und er schien wirklich dankbar für meine Hilfe zu sein.
Gaara erzählte mir von den anderen, die so waren wie er, aber er nannte keine Namen. Er sprach über sein jahrelanges Problem mit Mathe, über die anderen in der Klasse, von denen er meist nicht sehr viel hielt und über Temari und Kankuro, denen er fast alles erzählte. Ich fragte mich, warum er seine Eltern mit keinem Wort erwähnte, traute mich aber nicht, danach zu fragen.
„Bei uns zu Hause hat meine Großmutter das Sagen, sie lenkt den ganzen Haushalt. Oma Chiyo ist Mitte achtzig, aber sie benimmt sich kein bisschen so.“ sagte er.
Plötzlich hörte ich ein seltsames, schabendes Geräusch an der Tür.
„Das klappt nicht. Man hört fast nichts.“ hörte ich Jannika sagen.
„Nimm so ein Tuch drunter. Und versuch mal das Glas hier.“ fügte Elvira hinzu.
Wieder schabte es an der Tür. Und ich kapierte: Jannika und Elvira zogen gerade einen Angriff auf meine Privatsphäre. Entschlossen, mein Zimmer zu verteidigen, stand ich auf und trat gegen die Tür.
„Aua!“ schrie Jannika.
„Haltet euch aus meinen Sachen raus!“ rief ich. Die beiden huschten in Jannikas Zimmer zurück. Ich fragte mich, wie lange und wie aufmerksam sie gelauscht hatten. Gaara hatte doch eben von den anderen Jinchu-Kräften gesprochen.
„Sie hat echt den Jungen da drin!“ kicherte Elvira.
Jetzt war genau das passiert, was ich befürchtet hatte. Ich stürzte raus, riss Jannikas Zimmertür auf und schrie los: „LASST MICH IN RUHE! HALTET EUCH EINFACH RAUS, KAPIERT?“
Die beiden Kleinen wirkten schon etwas eingeschüchtert. Sie schienen es kapiert zu haben. Das hoffte ich zumindest. Ich ging in mein Zimmer zurück und schloss vorsichtshalber von innen ab.
„Du vertraust mir also schon so sehr, dass du dich mit mir einschließt?“ fragte Gaara hinter mir. Ich drehte mich zu meinem Bett um. Das Erste, was mir auffiel, war, dass Gaaras lilagraue Weste auf dem Boden lag. Ich hob den Blick.
„Warm heute, oder“ sagte Gaara. Seine Augen lächelten. Zum ersten Mal fiel mir auf, dass sein Shirt vorne eine durchgehende Knopfleiste hatte. Irgendetwas war seltsam, anders, etwas stimmte nicht. Aber was es war, konnte ich nicht sagen. Ich setzte mich ans Kopfende meines Betts, streckte die Beine gerade aus und lehnte mich an die Wand.
In Jannikas Zimmer klapperte etwas laut, Elvira kicherte und ich schaute für einige Augenblicke abgelenkt zur Tür.
Als ich mich wieder Gaara zuwandte, öffnete er gerade den letzten Knopf an seinem langärmligen Shirt. Das seltsame Gefühl nahm schlagartig zu. Ich starrte wie paralysiert auf seine nackte Haut, die hell und gleichzeitig sandfarben war, so, wie ich es mir in den verborgenen Schwärmereien der letzten Tage vorgestellt hatte. Unfähig, etwas zu sagen, oder mich irgendwie zu bewegen, saß ich neben ihm. Meine Gedanken waren fast komplett abgeschaltet.
Er beugte sich vor und ich sah in seine Augen, in denen ein seltsamer Glanz lag. Wieder mal von seinem Blick total verwirrt und in der seltsamen Stimmung gefangen, passte ich einen Moment nicht auf. Gaara zog das Shirt vollständig aus, beugte sich noch weiter vor und ich schloss unwillkürlich die Augen. Etwas in meinem Kopf wusste, was jetzt kam.
Dann berührten seine Lippen meine. Mein Herz begann, wild zu klopfen. Ich vergaß zu atmen, bekam kaum noch Luft.
Als Gaara merkte, dass mein Blutdruck verrücktspielte, ließ er mich los und rückte ein Stück von mir ab.
„Tut mir leid.“ sagte er, „es ist auch für mich das erste Mal.“
Woher wusste er, dass das mein erster Kuss war? Ich hatte doch gar nicht daran gedacht! War meine Unerfahrenheit so offensichtlich?
Er steckte die Hand aus, strich über den (wohl etwas zu tiefen) Ausschnitt meiner Bluse und begann, den obersten Knopf zu öffnen. Das war mir jetzt aber doch zu viel, obwohl ich seine Berührung wirklich mochte. Aber ich hatte ja den Kuss noch gar nicht richtig realisiert. Vorsichtig, aber bestimmt, löste ich seine Hand von meiner Bluse und schob sie weg.
„Tut mir leid.“ sagte er wieder, „ich hab verstanden. Vielleicht später.“
Natürlich. Gaara war neunzehn. Dass nur Küsse da irgendwann nicht mehr ausreichten, war klar.
Ich atmete tief ein, sagte mir „So, das war also mein erster Kuss. Ziemlich gut eigentlich, wenn auch anders, als ich es mir vorgestellt hatte“ Aber wie hatte ich mir den vorgestellt? Es hatte wohl mal eine Vorstellung existiert, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie die gewesen war. Gaara hatte meine sämtlichen Vorstellungen in Sachen Liebesleben innerhalb kürzester Zeit unkenntlich verwischt und mein Gehirn hatte diese Gedanken vergessen und durch die Erfahrungen ersetzt, die ich bisher mit ihm gemacht hatte: den ersten Blick, die erste Berührung, und jetzt auch den ersten Kuss.
Ich warf einen Blick auf das rote Zeichen auf seiner Stirn.
„Was heißt das eigentlich?“ fragte ich und zeigte vorsichtig darauf.
„Licht und Dunkelheit. Das bedeutet mein Name.“ antwortete Gaara.
„Aha.“ sagte ich nur. Mehr zu sagen, war auch gar nicht möglich, denn er nahm meinen Kopf sanft in seine Hände und küsste mich ein zweites Mal. Diesmal war ich wesentlich gelassener. Seine Lippen waren weich und so warm wie seine Hände. Sie bewegten sich vorsichtig und sanft auf meinen. Ein Hauch von Sand schien auch auf ihnen zu liegen. Es war ein bisschen so wie bei einer edlen, mir aber noch unbekannten Pralinensorte: Das erste Mal schmeckt sie überraschend, beim zweiten Mal weiß man schon ungefähr, was drin ist und erst dann genießt man sie. So gesehen hatte ich gerade die teuerste und einzigartigste, beste und wie für mich geschaffene Pralinensorte entdeckt. Ich wollte nie wieder eine andere probieren und den Genuss dieser einen Sorte solange wie möglich auf meinen Lippen halten.
Eine Sonnenstrahlreflexion blendete mich und ich rückte ein Stück weg, wobei sich meine Lippen leider von seinen lösten.
„Was ist?“ fragte er und ließ mich los.
Das glänzend schwarze, eckige Rohr, das die blitzende Reflexion ausgelöst hatte, verschwand aus dem Rahmen meines Fensters nach links. Im Innern des Rohrs erkannte ich einen kleinen Spiegel. Verhaltenes Kichern und kaum unterdrücktes, lachendes prusten drang durch die Wand zwischen Jannikas Zimmer und meinem. Und ich schaltete: Das schwarze Teil war ein Periskop! So ein Teil, mit dem man um Ecken schauen konnte! Und das Fenster links gehörte zu Jannikas Zimmer!
Jannika! Sie hatte es tatsächlich gewagt! Sie und Elvira hatten uns durch das bescheuerte Periskop beobachtet. Das Kichern in Jannikas Zimmer wurde alberner und lauter. Wie kindisch konnten elfjährige Mädchen sein! Ging's denen eigentlich noch gut? Ich befürchtete hochgradig mangelnde Reife. Und ich war sauer. Diese beiden blöden Gänse hatten mir den ersten richtigen, wunderschönen Kuss meines Lebens kaputt gemacht!
Ich sprang auf, schloss die Tür auf und rannte in Jannikas Zimmer. Sie und Elvira saßen auf dem Teppich, zwischen ihnen eine Menge Kram, der verdächtig nach Spionage-Ausrüstung aussah. Das Periskop lag mittendrin. Die beiden kriegten sich kaum wieder ein vor Lachen.
„ICH GLAUB, IHR SPINNT! KÖNNT IHR MIR MAL SAGEN, WAS DAS WERDEN SOLL?“ kreischte ich.
„Du hast diesen Jungen aus der Schule in deinem Zimmer! Wenn ich das Mama erzähle, dann bist du dran!“ krähte Jannika. Elvira kiekste.
Kurentschlossen und immernoch sehr sauer packte ich Jannika am Arm, schob sie auf den Flur raus und in die Abstellkammer. Elvira folgte ihr freiwillig. Ich schloss von außen ab, ignorierte Jannikas kreischenden Protest und ging in mein Zimmer zurück.
„Was ist denn?“ fragte Gaara. Er saß, wieder vollständig angezogen, auf meinem Bett.
„Meine hinterhältige, miese Maulwurfsrattenschwester hat uns die ganze Zeit über ausspioniert“ schnaubte ich wütend.
„Es war doch trotzdem schön, oder? Für mich hat es sich gut angefühlt.“
„Und was machen wir jetzt? Ich muss hier raus.“
„Hanne, ich werde dir heute meine Familie vorstellen. Ich zeige dir meine Welt.“ sagte Gaara.

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lolita ( 38031 )
Abgeschickt vor 775 Tagen
Schreib bitte ganz schnell weiter
RobinNo2 ( 16531 )
Abgeschickt vor 833 Tagen
Ja schreib Bitte weiter
Alice ( 99177 )
Abgeschickt vor 846 Tagen
Voll gut!! ;)Schreib bitte weiter!