Sensei Hokage!

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1 Kapitel - 6.731 Wörter - Erstellt von: Inge Ketchum - Aktualisiert am: 2012-01-01 - Entwickelt am: - 2.502 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Seit Sasukes Rückkehr sind eineinhalb Jahre vergangen: Itachi ist wieder in Konoha, seine Familie ist zurückgekehrt und Tsunade hat ihm eine äußerst wichtige Aufgabe anvertraut: sie hat ihn zum Hokage der Sechsten Generation ernannt! Itachi hält diese Ehre jedoch für zu groß. Er nimmt den Titel zwar an, aber er beschließt, Naruto zum Siebten Hokage auszubilden.

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    „Das wird sicher toll!“ dachte Naruto, als er den langen, gebogenen Flur in der Hokage-Residenz entlanglief. Er war auf dem Weg zum Büro des Hokage.
    „Hallo, Naruto!“ Sakura kam ihm entgegen. Als sie vor ihm stehen blieb, hauchte sie ihm einen sanften Kuss auf die Wange. Naruto grinste. Er war jetzt seit knapp eineinhalb Jahren mit Sakura zusammen. Fast zeitgleich mit Sasukes Rückkehr nach Konoha war Sakura endlich aufgefallen, wie süß Naruto sein konnte und hatte seinem ständigen Werben nachgegeben.
    „Hast du Sasuke heute schon gesehen?“ fragte er.
    „Ja. Er ist mit Jiraiya aus dem Haupttor gegangen.“ antwortete Sakura, „ich find's echt gut, dass Sasuke jetzt mit Jiraiya trainiert. Obwohl der kauzige Bergeremit 'ne ganz schöne Meise hat…“
    „Ich krieg heute mein erstes Hokage-Spezial-Training!“ rief Naruto fröhlich, „bis dann, Sakura!“
    Sakura sah Naruto nach, der hochmotiviert weiterlief.
    „So nah war er seinem Traum, Hokage zu werden, noch nie.“ dachte sie.
    Naruto kam an der Bürotür an und wollte sie zuerst einfach aufreißen- so, wie er es immer gemacht hatte, als Tsunade noch Hokage gewesen war. Bei ihr war ihm Höflichkeit immer ziemlich egal gewesen. Aber der Hokage der Sechsten Generation war anders: ihn mochte Naruto inzwischen wirklich gern und im Gegensatz zu seiner Vorgängerin war dieser Hokage immer in ersthafte Arbeit vertieft, wenn Naruto das Büro betrat. Tsunade trank ja meistens irgendwas.
    Naruto klopfte also ungewohnt höflich an die Tür und wartete, bis eine freundliche, weibliche Stimme „Herein!“ rief. Dann erst öffnete er die Tür.
    Zuerst sah er die Bürohilfe Karin, ein rothaariges, brillentragendes Mädchen von zweiundzwanzig Jahren. Sie war ein dreiviertel Jahr nach Sasukes Rückkehr in Konoha angekommen und hatte vorher ebenfalls zu Orochimarus Leuten gehört. Jetzt machte sie die Arbeit, die Shizune für Tsunade gemacht hatte: Organisation und das, was der Hokage nicht unbedingt selbst bearbeiten musste.
    „Wann geht's los, Sensei?“ fragte Naruto.
    Der Sechste Hokage stand mit dem Rücken zu Naruto am breiten Fenster des Büros, dessen Scheiben zu Tsunades Regierungszeit oft von ihr zerschlagen worden waren. Er trug einen roten Kimono, auf dessen Rücken das schwarze Schriftzeichen „zinnoberroter Vogel“ und ein rot-weißer Blattfächer abgebildet waren. Sein Haar war lang, glatt und seidenschwarz, er hatte es im Nacken zusammengebunden und so fiel es über die beiden Zeichen seinen Rücken herab.
    „Guten Morgen, Naruto.“ sagte er. Seine Stimme war tief und so warm wie die Sonnenstrahlen, die ihn umgaben. Er drehte sich um und Naruto musste sich wiederholt bewusst machen, dass dieser Mann der Hokage der Sechsten Generation war. Es war immernoch ein bisschen ungewohnt, obwohl Naruto Sasuke versprochen hatte, nicht zu sagen, wie seltsam es war, dass ein ehemaliges Mitglied der Akatsuki jetzt der Hokage von Konoha Gakure war.
    „Es ist für dich immernoch komisch, nicht wahr, Naruto?“ fragte Itachi und sah Naruto über die Schulter an, „dass ich jetzt der Hokage bin?“
    Naruto nickte. „Aber ich gewöhn mich bestimmt bald dran. Du bist ein Spitzenhokage, echt jetzt!“
    Itachi drehte sich jetzt vollständig zu Naruto um und trat hinter seinen Schreibtisch.
    „Und jetzt willst du also, dass ich dich trainiere?“ fragte er.
    „Ja. Du hast es versprochen. Du hast gesagt, dass du aus mir den Siebten Hokage machst.“ sagte Naruto, „du hast sogar gesagt, du zeigst mir, wie mein Vater war.“
    „Und du hast keine Angst, dass dieses Training zu viel für dich ist?“
    „Nein. Hat dir der kauzige Bergeremit nicht erzählt, dass ich mir das Rasengan selbst beigebracht hab?“ fragte Naruto, „ich hab bisher noch jedes Training gepackt und jetzt bin ich doch schon irgendwie erwachsen. Außerdem hab ich ja meinen neuen, folgsamen Fuchs!“
    „Du darfst ihn aber nicht immer einsetzen.“
    „Weiß ich doch! Was ist, geht's jetzt endlich los, Sensei Itachi?“
    Itachi nickte und in seinen Augen erschienen die Sharingan. Seit er Hokage war, aktivierte er sie nur noch selten, da er dank der hervorragenden augenmedizinischen Fähigkeiten seiner Mutter Ikue auch ohne die Sharingan wieder ganz normal sehen konnte.
    „Wenn es irgendein Problem gibt, schickst du mir einfach eine Brieftaube, Karin. Ich bin mit Naruto im Wald.“ sagte er, während er den schmalen Gürtel des Kimono löste und das edle Seidengewand auszog. Darunter kam die schlichte Alltagskleidung zu tage, die viele in Konoha trugen. Eigentlich trug ein Hokage nicht solche einfache Kleidung, aber Itachi legte großen Wert darauf, normal und unscheinbar zu wirken, um den Kontakt zu den Bewohnern des Dorfes so lebendig wie möglich zu halten. Daran, dass er sich selbst kaum wichtig nahm, hatte sich nichts geändert und diese Bescheidenheit machte ihn bei den meisten Leuten sehr beliebt.
    Itachi hatte sich immernoch nicht ganz von seiner schweren Krankheit erholt und manchmal kamen ihm beim geringsten Anlass die Tränen, aber insgesamt ging es ihm viel besser. Er war glücklich mit Konan verheiratet, die meisten wichtigen Mitglieder des Uchiha-Clans waren ins Dorf zurückgekehrt und Itachi verstand sich blendend mit Sasuke.
    „Hey, Itachi, was bringst du mir zuerst bei?“ fragte Naruto, als sie durch das Haupttor in den Konoha-Wald gingen. Ein paar ältere Frauen kamen ihnen entgegen. Es waren Freundinnen von Itachis Urgroßmutter Yoneko, die sich ihre alte Machtstellung im Dorf gleich nach ihrer Rückkehr zurückerobert hatte und jetzt weiter ihren alten Kleinkrieg gegen Koharu führte. Yoneko konnte Koharu schon seit ihrer gemeinsamen Schulzeit nicht leiden und die beiden über hundertjährigen Omas sprachen nur dann miteinander, wenn sie sich über irgendetwas stritten.
    „Einen wunderschönen guten Morgen, Itachi!“ rief Minami, eine der alten Frauen und Yonekos beste Freundin, „jetzt hast du endlich auch einen Schüler!“
    Itachi lächelte.
    „Magst du später auf eine Tasse Tee zu mir ins Haus kommen? Du kannst auch gerne deine Frau mitbringen. Sie ist ja ein ganz bezauberndes Mädchen!“ sagte Minami. Sie nannte Konan ein Mädchen, obwohl diese bereit siebenundzwanzig war.
    „Ja, gern.“ Itachi lächelte immernoch, „aber zuerst muss ich Naruto ein paar Sachen beibringen.“
    „Natürlich.“ Minami verbeugte sich und die anderen Frauen taten es ihr gleich.
    Itachi hatte durch sein gutes Verhältnis zu seiner Urgroßmutter auch Freundschaft mit deren Freundinnen geschlossen. Früher, als er fünf Jahre alt gewesen war, hatten diese Frauen ihm bei einer Tasse Grünen Tees erklärt, wie die Welt funktionierte. Er hatte den Erzählungen der Alten immer aufmerksam zugehört.
    „Bringst du mir auch neue Jutsu bei?“ fragte Naruto.
    „Das muss ich gar nicht. Du kannst inzwischen selbst deine eigenen Jutsu weiterentwickeln. Ich muss dir also nur noch zeigen, welche Möglichkeiten du hast.“ antwortete Itachi.
    Naruto nickte. „Super! Los geht's!“
    Auf einer großen Lichtung im Wald blieb Itachi stehen. Irgendwie kam ihm dieser Ort seltsam bekannt vor, aber etwas in ihm weigerte sich, sich daran zu erinnern, warum er hier so ein seltsames Gefühl hatte. Itachi versuchte, die dunkle Ahnung abzuschütteln. Er wollte jetzt Naruto auf den Weg zu dessen Ziel voranbringen, da war keine Zeit für die altbekannte Dunkelheit und schon gar nicht für den schmerzenden Riss, der immernoch in seinem Herzen war. Meistens blendete er den Schmerz aus, schließlich trug er die Verantwortung als Hokage und durfte nicht schwach wirken. Aber dieser Ort hatte eine seltsame Wirkung auf ihn. Diese Lichtung stand in Verbindung zum Riss in seinem Herzen.
    „Reiß dich zusammen, Itachi!“ sagte er sich, „du hast jetzt was Besseres zu tun, als darüber nachzudenken und außerdem darf Naruto das nicht mitkriegen.“
    „Sensei Hokage! Bist du okay?“ fragte Naruto. Natürlich hatte er was gemerkt. Er war längst nicht mehr so langsam im Begreifen wie früher.
    „Ja, mir geht's gut.“ antwortete Itachi, aber irgendwo in seinem Innern stimmte etwas ganz und gar nicht. Irgendwas hatte dort an Stabilität verloren und würde bald zusammenbrechen.
    „Womit fangen wir an?“ wollte Naruto wissen, „zeigst du mir so ein richtig starkes Jutsu?“
    Itachi dachte einen Moment nach, berührte mit seiner rechten Hand kurz sein neues Stirnband, auf dem das Laubsymbol nicht durchgestrichen war und strich dann mit der Hand durch die rechte der beiden breiten Haarsträhnen, die sein Gesicht rahmten. Diese Bewegung rief eine andere Erinnerung in ihm wach: die Erinnerung an den Tag, als er mit Kisame nach Konoha gekommen war und gegen Asuma, Kurenai und Kakashi gekämpft hatte.
    Kakashi hatte Itachis Entschuldigung für diesen Angriff und die Anwendung von Tsukuyomi gleich, nachdem Itachi aus dem Drachen-Gefängnis entlassen worden war, angenommen. Trotzdem tat es Itachi leid, so ein gemeines Jutsu auf Kakashi angewendet zu haben.
    Dabei ließ sich Tsukuyomi doch auch viel weniger gemein anwenden… es war ein sehr flexibles Jutsu und wer es gut beherrschte, konnte damit eigentlich alles bewirken, auch friedliche Sachen.
    Dann hatte Itachi eine Idee. Wenn Naruto wirklich ein richtig guter Hokage werden wollte, musste er doch auch mit schwierigen Jutsu klarkommen, denn viele Gegner von Konoha beherrschten unglaublich starke Jutsu. Das wusste Itachi aus eigener Erfahrung nur zu gut. Er wollte Naruto darauf vorbereiten, dass es auf der Welt unglaublich starke Jutsu gab, gegen die sich und das Dorf zu verteidigen zu den Grundfähigkeiten eines Hokage gehörte.
    Er wollte Naruto beibringen, wie man sich aus so einem Jutsu dieser Größenordnung befreite. Und was war da besser geeignet als Tsukuyomi? Wenn Naruto die beste Verteidigung gegen dieses Jutsu packte, würde er ein ganzes Stück weiter sein. Tsukuyomi war aufgrund seiner hohen Flexibilität perfekt, um den Schwierigkeitsgrad des Trainings langsam zu steigern.
    „Naruto, ich denke, du bist inzwischen so weit, dass ich dir die Verteidigung gegen die wirklich starken Jutsu zeige.“ sagte Itachi.
    „Echt? Was für Jutsu?“ fragte Naruto.
    „Tsukuyomi.“
    „Waaas! Das is' 'n Scherz, oder?“
    „Nein. Du willst doch Hokage werden. Da musst du dich gegen so etwas verteidigen können.“
    „Das meinst du nicht ernst, oder? Sensei Itachi, das ist 'n Test, hab ich Recht?“ Naruto konnte es nicht fassen. Hatte Itachi gerade Tsukuyomi gesagt?
    „Nein, du hast ganz richtig gehört. Ich werde dich ein wenig anders trainieren, als du das gewohnt bist. Mein Stil ist nicht wie der von Kakashi oder Jiraiya. Ich bin ein sehr friedlicher, freundlicher Mensch, Naruto, das weißt du. Aber ich werde dich ziemlich hart rannehmen müssen. Nur so wirst du ein guter Hokage und nur so kannst du stärker werden als dein Vater war.“ sagte Itachi.
    Kaum hatte er die magischen Worte „stärker als dein Vater war“ ausgesprochen, war Naruto Feuer und Flamme. Es war ihm egal, wie hart Itachis Spezialtraining sein würde. Wenn es darum ging, seinem Vater ähnlicher zu werden, war Naruto so ziemlich jede legale Trainingsmethode recht.
    „Dieses Training erfordert etwas, das du bisher kaum trainiert hast: geistige Anstrengung. Du hast bisher hauptsächlich dein Chakra trainiert und wenn es um strategische Dinge ging, musstest du immer wieder nachfragen. Zum einen werde ich dir beibringen, wie du dich auf das, was dein Sensei sagt, konzentrierst und theoretische Lektionen besser und schneller verstehst, denn das ist sehr wichtig. Und zum anderen werde ich dich mit Jutsu konfrontieren, gegen die du mehr als nur Kraft brauchst. Du erinnerst dich doch bestimmt an unseren Kampf bei der Sache mit Gaara.“ Itachi spürte, wie die Vorsicht, mit der er normalerweise seine Worte auswählte, um niemanden zu verletzen, von ihm abglitt. Er begann, Naruto zuzutrauen, dass er mit solchen Erinnerungen fertig wurde.
    „Ja. Du hast mich in ein Gen-Jutsu eingeschlossen und ich bin nur mit Sakuras und Oma Chiyos Hilfe wieder rausgekommen.“
    „So etwas darf einem Hokage nicht passieren. Und damit du es gleich richtig lernst, fange ich schon am Anfang mit Tsukuyomi an.“ sagte Itachi.
    „Das wird ein wirklich schweres Training.“ dachte Naruto, „Itachi ist wahnsinnig stark. Unter seiner ruhigen, lieben Oberfläche steckt immernoch einer der stärksten Ninja des Feuerreiches. Er hat wahrscheinlich Sachen drauf, die ich mir noch gar nicht richtig vorstellen kann.“
    „Bereit?“ fragte Itachi, „oder willst du dich noch vorbereiten? Ich werde es an Anfang natürlich etwas einfacher machen, aber wenn du doch nicht willst, wenn dir das zu viel ist, dann sag das bitte.“
    „Okay, das ist jetzt echt 'ne schwere Entscheidung.“ dachte Naruto, „normalerweise würde ich jetzt sowas sagen wie „Los geht's, worauf wartest du, Sensei“, aber wenn er schon sagt, dass sein Training 'ne ganz andere Dimension hat als alles, was ich bisher gelernt habe, dann ist es vielleicht doch zu viel. Ach nee, was denk ich denn da? ich hab doch bisher nie aufgegeben, egal, wie schwierig irgendwas war. Und ich fang jetzt bestimmt nicht damit an! Itachi will mich zu einem Hokage machen. So nah war ich meinem Ziel noch nie. Los geht's!“
    „Bist du soweit?“ während Naruto nachgedacht hatte, war Itachi zum anderen Ende der Lichtung gegangen und hätte er die Akatsuki-Kleidung getragen, hätte es genau so ausgesehen wie vor eineinhalb Jahren, als die Sache mit Gaaras Entführung durch Akatsuki gewesen war. Naruto fragte sich plötzlich, wie Itachi damals so gut hatte verbergen können, wie schlecht es ihm gegangen war. Es war wirklich niemandem aufgefallen. Noch nicht mal Kakashi hatte bemerkt, wie es Itachi wirklich gegangen war und wie wenig Kraft er gehabt hatte.
    „Ja, Sensei Hokage!“ rief Naruto.
    „Du musst mir in die Augen sehen.“ sagte Itachi, „dieses Jutsu kann ich nur mit meinen Augen anwenden. Eine Hand zu heben reicht da nicht aus.“
    „Itachi ist echt stark!“ dachte Naruto, „er kann die meisten Jutsu ganz einfach benutzen, braucht noch nicht einmal Fingerzeichen. Es reicht aus, wenn er eine Hand hebt. Nur für stärkere Jutsu benutzt er seine Sharingan.“
    Naruto konzentrierte sich und dann sah er Itachi direkt in die Augen. Es war, als ob er in dem rot-schwarzen Mandala versinken würde. Die Lichtung wurde unscharf, löste sich auf und plötzlich stand Naruto auf schwarzem Boden unter einem rot schimmernden Himmel. Der Vollmond schien, doch er war nicht weiß, sondern schimmerte rot.
    „Das ist die Welt des lesenden Mondes, Naruto.“ sagte Itachi.
    Er stand direkt neben Naruto und hielt ein Schwert aus schwarzem Metall in der Hand.
    „Aber es tut ja überhaupt nicht weh!“ stellte Naruto fest, „Kakashi hat gesagt, dass dieses Jutsu irre wehtut.“
    „Die Welt des lesenden Mondes ist immer so, wie ich sie haben will. Wenn sie wehtun soll oder wenn ich leide, dann tut es dem, der sich unter ihrem Einfluss befindet, auch weh.“ sagte Itachi, „im Moment geht es mir recht gut und ich habe nicht vor, dich zu verletzen. Deshalb kannst du ganz normal neben mir stehen, ohne dass es dir etwas ausmacht.“
    „Was ist das für ein Schwert?“
    „Das ist mein Schwert Kurokatana. Ich kann es in diesem Jutsu aufbewahren, weil ich es sehr selten benutze. Die schwarze Farbe des Metalls ist entstanden, als mein Schwert vor vielen Jahren von meinem Urgroßvater im schwarzen Amaterasu-Feuer geschmiedet wurde.“ antwortete Itachi.
    Immer mehr verstand Naruto, warum Itachi Hokage geworden war, als Tsunade genug hatte und früh in Ruhestand gegangen war. Und er sah, wie stark ein Ninja sein konnte. Itachis Fähigkeiten waren fast schon unwirklich.
    „Wir werden die ganze Trainingseinheit über in der Welt des lesenden Mondes bleiben. Es ist dein neuer Trainingsort, Naruto.“ sagte Itachi.
    „Wow! So einen Trainingsort hatte ich noch nie!“ Naruto war hin und weg. Das war das sicher anspruchsvollste Training, das er je gehabt hatte! Jiraiyas Methoden waren ja auch nicht so ohne, aber meistens blieben sie im Bereich dessen, was auf der Welt einigermaßen normal war. Itachi dagegen hatte einen wirklich völlig anderen Stil, an den Naruto sich erstmal gewöhnen musste. Dieser Stil war nicht hauptsächlich physisch, wie Naruto das bisher kannte. Es war ein psychisches Training, in dem es um geistige Fähigkeiten ging.
    „Hier gelten andere Bedingungen. Du kannst nicht einfach dein Rasengan benutzen. Versuch es ruhig mal, dann merkst du, was hier anders ist.“ sagte Itachi, „sogar das Jutsu der Schattendoppelgänger wird dir Schwierigkeiten machen.“
    „Waaas?“ rief Naruto überrascht, „sogar Schattendoppelgänger?“
    Itachi nickte.
    „Und wie soll ich dann trainieren?“ wollte Naruto wissen. Er konnte sich nicht vorstellen, ohne sein Basisjutsu irgendwas Wirksames tun zu können.
    „Ich sage nicht, dass es unmöglich ist. Du musst dich nur den veränderten Bedingungen anpassen und dich ein wenig anstrengen. Aber das kannst du ja.“
    „Das klingt so einfach, wenn du's so sagst.“ erwiderte Naruto, „irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich das nicht packe.“
    „Das ist genau so ein Training wie das, das du von Kakashi, Jiraiya und Yamato erhalten hast. Mach dir keine Gedanken, weil die Umgebung ein wenig anders ist. Du kannst dein Rasengan benutzen. Versuchs einfach mal. Dann merkst du auch, was hier anders ist und wie du damit klarkommst.“ sagte Itachi, „darum geht es schließlich.“
    „Der Stein da, der liegt auch auf der echten Lichtung.“ stellte Naruto verwundert fest, „es sieht hier fast genauso aus wie in echt. Und da vorne, wo die Felsen sind, da ist in echt der Wald um die Lichtung, oder?“
    „Gut erkannt. In der Welt des lesenden Mondes kann ich bestimmen, wie es aussieht und wie ähnlich es der Außenwelt ist. Ich habe es für dich so gemacht, dass die Landschaft fast so ist wie in der wirklichen Welt. Tsukuyomi ist ein Gen-Jutsu auf höchstem Niveau. Den Vollmond und den roten Himmel sehen nur wir beide, genauso, wie wir im Moment die Einzigen sind, die so schwarzweiß-rot sehen. Dadurch, dass es gerade so aussieht wie „draußen“, weißt du immernoch, wo du bist und verlierst nicht die Orientierung. Ich will dir ja nicht wehtun.“ erklärte Itachi.
    Naruto konzentrierte sich noch einmals und sagte sich immer wieder, dass das ein Gen-Jutsu war und dass Itachi nichts als gute Absichten hatte. Er versuchte, sein Chakra in seiner Hand zu konzentrieren und es für das Rasengan zum Wirbeln zu bringen. Aber es gelang ihm nicht halb so gut wie sonst und er fühlte sich an die drei Tage erinnert, in denen er sich das Rasengan wegen der Wette mit Tsunade selbst beigebracht hatte. Sein Chakra tat, was es wollte, jedenfalls nicht das, was Naruto vorhatte. Es sprühte wild in alle Richtungen. Er versuchte es mit dem Jutsu der Schattendoppelgänger, aber er bekam nur zwei Doppelgänger hin, von denen einer dem völlig missglückten Typen bei seiner dritten verhauenen Akademie-Abschlussprüfung ganz am Anfang seiner Ninjalaufbahn ganz erschreckend ähnlich sah.
    Es war, als müsste Naruto noch mal ganz von vorne anfangen!
    „Das bekommst du bald in den Griff. Es sieht schlimmer aus, als es ist. Mach dir keine Sorgen.“ sagte Itachi, als er Narutos Schreck bemerkte, „versuch es einfach noch einmal.“
    Das tat Naruto. Er versuchte es ungefähr fünfzehn Mal, bis sich seine Jutsu endlich wieder normal verhielten, er ohne Mühe zwanzig Schattendoppelgänger hinbekam und sein Rasengan wie gewohnt kugelrund in seiner Handfläche kreiste.
    „Du hast es geschafft. Das hast du gut gemacht.“ lobte Itachi und strahlte Naruto an, „damit hast du den ersten Schritt geschafft.“
    „Jiiiiaaaaah!“ Naruto riss seinen rechten Arm hoch und sprang in die Luft.
    „Jetzt wird es ein ganzes Stück schwieriger. Auch, wenn diese Situation sicher und Tsukuyomi heute dein Trainingsort ist, musst du doch wissen, wie man es wieder verlässt. Es geht dabei nicht, wie bei anderen Gen-Jutsu, darum, es aufzulösen. Ein Jutsu wie Tsukuyomi kann kaum jemand auflösen. Für dich mit deinem besonderen, zweifachen Chakra ist es allerdings möglich, es zu verlassen.“
    „Und wie geht das?“
    „Du musst den Wirkungskreis verlassen, also über den Rand der Lichtung gehen. Natürlich weiß man im Kampf nicht immer, wo die Wirkungsgrenze eines Jutsu ist. Deshalb übe ich das ja mit dir.“ Itachi zeigte auf den Kreis aus hohen Felsen, die da standen, wo eigentlich die Bäume waren. Er sah für einen Moment nicht die unwirkliche Welt des lesenden Mondes, sondern die wahre Welt und die Lichtung, auf der Naruto und er sich befanden.
    Wieder war es, als würde etwas in ihm immer instabiler werden, etwas, das seit Jahren fest verschlossen war. Es fühlte sich an wie ein Siegel, mit dem man Erinnerungen versiegeln konnte, um nicht ständig unter ihnen leiden zu müssen. Itachi hatte in den Jahren bei Akatsuki insgesamt vier solcher Versiegelungen in seinem Körper vorgenommen. Die erste, die den Tag enthielt, an dem Orochimaru ihn überfallen hatte und Itachi seine Familie hatte verschwinden lassen, war elf Jahre alt und musste eigentlich bald erneuert und neu befestigt werden. Aber wegen der vielen Arbeit, die Itachi jetzt als Hokage zu erledigen hatte, war er bisher einfach nicht dazu gekommen.
    Er blinzelte und sah wieder im Tsukuyomi. Aber seine Konzentration war durch die plötzliche Instabilität des Siegels gestört worden und die Sharingan hatten wieder einmal Itachis Augen verletzt. Eine einzelne rote Träne tropfte aus seinem rechten Auge auf den Boden.
    Dann zerbrach das Siegel. Die erste versiegelte Erinnerung, die vom Morgen jenes schicksalhaften Tages bis zu Orochimarus Biss reichte, strömte heraus und in Itachis Geist zurück. Der Riss in seinem Herzen brannte und er konnte Tsukuyomi gerade noch auflösen, bevor alles um ihn herum dunkel wurde…
    „Sensei! Hey, Sensei Hokage, bist du okay?“ rief Naruto. Er hatte sich gerade darauf vorbereitet, durch die scheinbar undurchdringliche Felswand zu gehen (die ja nur Täuschung war) und aus dem Tsukuyomi herauszukommen, als es sich plötzlich wie von selbst aufgelöst hatte. Verwundert hatte er sich zu Itachi umgedreht und gesehen, dass der Hokage bewusstlos und mit Blut an den Augen auf dem Waldboden lag.
    „Hey, Itachi!“ rief er noch einmal und lief zu ihm. Er hatte keine Ahnung, was zu tun war, wenn der Sensei mitten im Training plötzlich umfiel. Es gab keinen offen erkennbaren Grund für Itachis Zusammenbruch. Aber so war das ja immer mit den Uchiha: zuerst war alles mehr oder weniger normal und dann, ohne, dass man genau wusste, warum, kippten sie um oder taten irgendwelche gefährlichen Sachen. Das kannte Naruto ja von Sasuke schon zu genüge.
    Naruto sah sich auf der Lichtung um. Sie sah eigentlich ganz normal aus. Lichtungen wie diese gab es viele im Wald von Konoha Gakure. Es musste doch einen Grund geben, warum Itachi einfach so bewusstlos wurde. Dass er manchmal einfach so weinte, daran hatten sich die meisten Leute schon gewöhnt. Er beruhigte sich auch meistens schnell wieder. Diese kurzen Anfälle, die er manchmal hatte, kamen immer dann, wenn er durch irgendwas an seine Zeit bei Akatsuki oder das, was mit Sasuke gewesen war, erinnert wurde.
    „Vielleicht ist ja hier etwas passiert? Etwas, das Itachi so traurig gemacht hat, dass er es nicht verkraftet. Konan sagt ja immer, dass Itachi immernoch nicht wieder ganz gesund ist.“ überlegte Naruto, „er ist ja hochsensibel oder so ähnlich.“
    Itachi war tief in seiner eigenen Erinnerung gefangen. Er sah sich selbst, achtzehn Jahre alt, auf der Lichtung stehen und er sah Orochimaru, der ihm gierig in die Sharingan sah. Aber obwohl Orochimaru etwas sagte, war kein Ton zu hören. Es war, als wäre es ein Film, in dem er mittendrin stand, wie ein Denkarium, aber so, als hätte jemand den Ton abgestellt. Itachi sah sich gegen Orochimaru kämpfen, sah, wie er selbst nicht stark genug war, weil er nicht genug trainiert hatte und dann, wie Orochimaru hinter Itachis achtzehnjährigem Selbst stand und versuchte, seine Zähne links in Itachis Hals zu schlagen. Dann sah er das helle Leuchten von Shiawase-no-Jutsu, und wie Orochimaru ausweichen musste, um nicht von dem weißen Strahlen reinen, selbstlos erworbenen Glücks getroffen zu werden.
    Itachi wusste, dass er die Augen nicht vor seiner eigenen Erinnerung und Vergangenheit verschließen durfte. Deshalb hielt er seine Augen entgegen jeden Schmerzes offen und sah, wie Orochimaru ihn von rechts erwischte und durch das immernoch weiß leuchtende Jutsu hindurch seine Zähne auf der rechten Seite in den Hals von Itachis achtzehnjährigem Selbst schlug. Aber Shiawase-no-Jutsu wirkte immernoch. Das Verfluchte Mal konnte seine Wirkung nicht voll entfalten und nur das Schlangengift fand seinen Weg in Itachis Körper. Er sah sich selbst zusammenbrechen und Orochimaru wieder im Wald verschwinden. Die dunkellila Narbe, deren Herkunft er gerade sah, brannte so stark wie zuletzt während der Zeit bei Akatsuki.
    Dann löste sich die Lichtung auf. Itachi öffnete langsam seine Augen, spürte, dass Blut seine Wimpern verklebt hatte und fand sich im Jetzt wieder. Über sich sah er Narutos besorgtes Gesicht.
    „Bist du okay, Sensei Itachi?“
    „Es war hier. Auf dieser Lichtung.“ flüsterte Itachi, „genau hier hat Orochimaru mich überfallen. Hier hat das alles angefangen.“
    Das war also der Grund für den Zusammenbruch. Jetzt verstand Naruto, warum Itachi an diesem Ort so reagiert hatte. Itachi hatte die Erinnerung an diesen Tag versiegelt, das hatte Sasuke mal erzählt. Und nur durch Zufall hatte Karin diesen Ort auf der Landkarte ausgerechnet heute als Trainingsort ausgesucht.
    „Bist du soweit okay?“ fragte Naruto vorsichtig. Er war der einzige, der Itachi sowohl mit „Sensei“, als auch mit „Du“ ansprach und oft sogar den Titel „Hokage“ mit dem Du kombinierte. Was von vielen (wie zum Beispiel Koharu oder Homura) sicher als Respektlosigkeit aufgefasst werden konnte, machte Itachi jedoch überhaupt nichts aus. Es gehörte zu Narutos unverwechselbarer Umgangs-sprache und die war ein wichtiger Teil seines Charakters. Oma Chiyo aus Suna Gakure hatte einmal gesagt, dass Naruto ein Hokage werden würde, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte. Itachi wollte sein Bestes tun, damit dieser Traum war wurde.
    „Das Siegel, mit dem ich die Erinnerung an diesen Tag verschlossen hatte, ist zerbrochen. Ich kann mich an fast alles erinnern, was geschehen ist. Bis zu dem Moment, an dem ich das hier“ Itachi schob sein langes Haar beiseite und Naruto sah die lange, dunkle Narbe, die kaum Ähnlichkeit mit Sensei Ankos Mal hatte, „bekommen habe.“
    „Darf ich dich mal was fragen? Warum ist Sasukes Mal weg?“ fragte Naruto.
    „Orochimaru hat es auf Sasukes Hass aufgebaut. Als der Hass weg war, ist es verschwunden.“ sagte Itachi ganz ruhig und streifte mit Zeigefinger und Daumen das verklebte und getrocknete Blut von seinen langen, schwarzen Wimpern.
    „Ich glaub, für heute hab ich genug gelernt, Sensei. Du musst jetzt nach Hause gehen und dich ausruhen. Ich geh noch 'ne Nudelsuppe essen.“ sagte Naruto.
    „Du hast vielleicht Recht.“ Itachi stand langsam auf und verließ die Lichtung.
    Naruto folgte ihm. Im Weggehen warf er noch einmal einen Blick auf die Lichtung.
    „Meinetwegen kannst du im Raum-Zeit-Loch verschimmeln, Orochimaru! Wir sind jedenfalls durch mit dir. Du machst nicht noch einmal alles kaputt!“ dachte er, „den Uchiha-Clan hast du nicht geschafft! Und ich werde weder Sasuke noch Itachi jemals wieder hergeben!“
    Als Itachi mit Naruto wieder durch das Haupttor kam, wartete Ikue schon auf ihren Sohn und seinen Schüler. Natürlich sah sie sofort, dass Itachi einen Zusammenbruch gehabt hatte.
    „Was ist passiert? Itachi, du siehst furchtbar blass aus!“ stellte sie besorgt fest und strich ihrem ältesten Sohn über das schwarze Haar, das genau so lang war wie ihr eigenes.
    „Mir geht's gut, Mama.“ sagte Itachi.
    „Ja, jetzt schon. Aber ich seh dir an, dass es dir vor höchstens zwanzig Minuten nicht gut ging.“ beharrte Ikue, „für heute hast du hart genug gearbeitet, Itachi. Komm mit nach Hause, ruh dich aus und dann erzählst du mir, was los ist. Sasuke wartet schon auf dich.“
    Ein paar junge Frauen mit Einkaufstüten blieben in der Nähe des Tores stehen. Sie waren früher mit Itachi in einer Klasse gewesen, als er nach dem Austritt aus der Anbu-Truppe trotz enormen Wissensvorsprungs wieder zur Schule gegangen war.
    „Er ist immernoch so süß wie früher.“ sagte die eine, „und ich kenne echt keinen, der sich so klasse mit seiner Mutter versteht wie er. Itachi ist Ikue echt ähnlich, oder?“
    „Ja. Man merkt richtig, dass er nach ihr kommt. Sein ganzes liebes Wesen hat er von ihr. Und das tolle Aussehen sowieso. Ikue ist so freundlich zu allen und sie kämpft auch so gut wie nie. Ich hab sogar mal gehört, dass sie dieselbe Sorte Schokolade mögen und beide vegetarisch essen.“ erwiderte die andere.
    „Und jetzt, wo Itachi und Ikue wieder im Dorf sind, herrscht gleich so eine freundliche Atmosphäre. Die hat uns echt gefehlt! Ich kann mir jetzt gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne den Uchiha-Clan hier überhaupt funktioniert hat. Na ja, Koharu hat eben gemacht, was sie wollte, ohne dass Yoneko was dagegen tun konnte.“
    „Minami hat Konan und mich für heute Abend zum Tee eingeladen.“ sagte Itachi zu seiner Mutter.
    „Wie schön! Dann gehst du also heute Abend nicht ins Raum-Zeit-Loch wegen dieses Gesprächs mit Ho-oh? Kannst du das verschieben? Ich mache mir immer solche Sorgen, denn Du-weißt-schon-wer ist ja auch dort.“ Ikue sah ihren Sohn besorgt an. Sie wusste genau, wie sensibel Itachi war, denn schließlich hatte sie ihm das vererbt.
    „Ja, den Termin werde ich wohl verschieben müssen.“ erwiderte Itachi und dachte: „Ob ich es jetzt wohl ertragen könnte, am selben Ort wie Orochimaru zu sein? Jetzt, wo ich mich wieder an fast alles erinnern kann?“
    „Weißt du, Ikue, ich glaub auch, es ist nicht so gut, wenn Itachi jetzt Du-weißt-schon-wem begegnet. Er kann sich nämlich auf einmal wieder an du-weißt-schon-was erinnern.“ sagte Naruto leise. Er wusste, dass Itachi das nicht so einfach zugeben konnte, um niemandem Sorgen zu machen, aber Naruto war davon überzeugt, dass Ikue das wissen musste. Und Sasuke würde er es auch sagen müssen.
    „Was? Oh nein, Itachi, warum sagst du denn wieder nichts? Du musst mir sowas gleich sagen!“ rief Ikue erschrocken, „wenn's dir schlecht geht, muss ich doch wissen, was los ist!“
    „Tut mir Leid, Mama. Aber ich will nicht, dass du dir Sorgen machst.“
    „Das mach ich doch sowieso. Ich mach mir immer Gedanken, ob es dir und Sasuke auch gut geht.“ Ikue strich Itachi wieder durchs Haar, „ihr zwei seid doch meine Kinder. Und ich bin eben so. Vielleicht denken wir beide zu viel nach.“ sie nahm ihren Sohn, der schon ein Stück größer war als sie, in die Arme.
    Itachi hatte sich früher manchmal nicht getraut, zuzugeben, wie gut es ihm tat, wenn seine Mutter ihn so in aller Öffentlichkeit umarmte. Aber jetzt war er einfach nur froh, dass sie wieder da war.
    „Oooooohhh, ist das süüüüüß!“ seufzte eine von Itachis alten Schulfreundinnen, sie hieß Kurade, schwärmerisch, „Itachi allein ist ja schon süß, aber mit seiner Mama zusammen… einfach zum Dahinschmelzen! Konan muss die glücklichste Frau von Konoha sein! So einen süßen Ehemann zu haben, muss ja wahnsinnig toll sein!“ Kurade war schon immer etwas übertrieben gewesen, was Itachi anging. Sie beneidete Konan um ihn und hoffte immernoch, selbst einmal einen Mann zu finden, der Itachi ähnlich war.
    „Du spinnst!“ stellte die andere junge Frau, die Mi hieß, fest. Sie fand Kurades Schwärmerei fast schon peinlich. In Anwesenheit des Hokage, der auch noch glücklich verheiratet war, von ihm zu schwärmen, das war wirklich grenzwertig.
    Itachi hatte Kurades Worte natürlich gehört. Er drehte sich zu den beiden um und lächelte. Kurade schien förmlich zu schmelzen und Mi zog sie schnell weg um eine Straßenecke.
    „Hey, Itachi, das waren doch die Mädchen von früher!“ rief Naruto. Er konnte sich jetzt seit einem Jahr wieder daran erinnern, dass Itachi ihn früher vor den Leuten, die ihn einsperren wollten, beschützt hatte. Und daran, wie seine Freundschaft zu Sasuke mit fünf Jahren begonnen hatte: Sasuke war der erste gewesen, der ihn angesprochen hatte, als Naruto ganz allein auf dem Spielplatz gesessen hatte, weil niemand mit ihm spielen wollte.
    „Ich geh jetzt eine Nudelsuppe essen.“ sagte Naruto, „in letzter Zeit hab ich so viel Geld mit Missionen verdient, da kann ich vielleicht sogar mal Sakura einladen.“
    Da hatte Itachi eine wunderbare Idee: „Mama, wenn du Oma Minami siehst, sagst du ihr dann bitte, dass ich etwas später zum Tee komme? Ich muss vorher noch etwas Wichtiges erledigen.“
    „Natürlich.“ Ikue lächelte, „Minamis Haus liegt ja auf meinem Weg.“
    „Was hast du denn noch zu tun, Sensei?“ fragte Naruto.
    „Na, das ist doch ganz klar, oder?“ Itachi lächelte und wirkte auf einmal zehn Jahre jünger. Er sah wieder aus wie der glückliche, großzügige, sechzehnjährige Itachi, den Naruto von früher kannte.
    „Was denn?“ Naruto kam mal wieder nicht drauf.
    „Ich geh mit dir zusammen eine Nudelsuppe essen. Iruka sagt, dass das bei dir schon fast ein Ritual ist.“ sagte Itachi.
    „Stimmt, ich bin irgendwie mit jedem meiner Lehrer mal 'ne Nudelsuppe essen gewesen.“ bemerkte Naruto, „wieso dann nicht auch mit dir?“ es kam ihm zwar immernoch ein bisschen eigenartig vor, solche Sachen wie Nudelsuppenessen mit Itachi zusammen zu machen, aber irgendwie war es auch ziemlich cool.
    „Hey, Ayame! Eine Suppe mit Spiralnudeln, bitte!“ rief Naruto, als sie den Nudelsuppen-Imbiss betraten, „und hast du auch irgendwas Vegetarisches da?“
    Ayame kam aus der Küche gelaufen. Sie wirkte sehr beschäftigt und sah erst gar nicht auf.
    „Hallo, Naruto! Motz aber nicht wieder rum, weil ich ein bisschen weniger Fett in der Sup…“ als sie aufblickte und Itachi sah, blieb ihr das Wort im Hals stecken.
    „Meister Hokage! Wie schön, Sie hier zu sehen! Was möchten Sie essen? Ich werde sicher etwas finden, aber ich fürchte, es ist nicht sehr viel dabei, das ihrem hohen Rang entspricht.“ Ayame verbeugte sich so tief, dass sie hinter der Theke kaum noch zu sehen war und redete schnell und aufgeregt.
    „Ich möchte nur eine einfache Reissuppe.“ sagte Itachi, bescheiden wie immer, „du musst nichts Besonderes kochen, nur weil ich jetzt den Titel Hokage trage. Gib dir mehr Mühe, für Naruto eine gute Suppe zu kochen, das Training war anstrengend für ihn.“
    „Na-natürlich, kommt sofort!“ stotterte Ayame, „setzt euch, fühlt euch wie zu Hause.“ sie war wohl heute allein im Laden.
    Zwei Ninjas, die die üblichen, grünen Westen der Chu-Nin trugen, betraten den Laden. Es waren zwei, die zu einer Sondergruppe gehörten, die früher damit beauftragt war, Informationen über die Akatsuki zu sammeln. Als sie Itachi sahen, wirkten sie zuerst verlegen.
    „Was möchten Sie?“ fragte Ayame höflich.
    „E-eine Nudelsuppe m-mit Bambus, bitte.“ antwortete einer der beiden.
    Der andere sah Itachi mit einer Mischung aus der, dem Hokage gegenüber üblichen, Ehrerbietung und der alten Angst vor einem Mitglied der Akatsuki an. Itachi hatte seine Unterarme auf der Theke aufgestützt, weil er doch ziemlich geschafft von der Anwendung des Tsukuyomi und dem Wiedersehen seiner Erinnerung war und da er nicht wie sonst Kleidung mit hohem Stehkragen trug, war die lilaschwarze Narbe deutlich zu sehen, als er den Kopf leicht nach vorn neigte.
    „Meister Hokage.“ sagte einer der Ninja, „es tut uns leid, dass wir Sie immernoch mit der Akatsuki-Organisation in Verbindung bringen. Aber Sie waren nun einmal der, der gestanden hat, seine…“ er brach verlegen ab.
    „Das ist nicht weiter schlimm.“ erwiderte Itachi lächelnd, „ich war eben ein Mitglied der Akatsuki. Ich verstehe, wenn es manchen Leuten im Dorf schwer fällt, mich zu akzeptieren.“
    „Heeey, geht's euch noch gut? So könnt ihr doch nicht mit dem Hokage reden!“ rief Naruto entrüstet, „jetzt erkennt ihn doch endlich mal an, so wie die netten, alten Omas das auch machen! Sasuke hat ihm verziehen und damit ist die Geschichte doch wohl erledigt, oder? Jetzt sagt bloß nicht, dass ihr auf diesen alten Klappergreis Danzo hört!“
    „Schon gut, reg dich ab.“ sagte einer der Ninja, „wir haben mit Danzo nichts zu tun. Und wir haben nicht gesagt, dass wir Itachi nicht als Hokage akzeptieren.“
    „Dann haltet endlich mal die Klappe!“ schrie Naruto, „ich und mein Sensei wollen nämlich in Ruhe eine Nudelsuppe essen und wenn euch seine Anwesenheit nicht passt, dann haut doch ab!“
    „Beruhige dich, Naruto.“ sagte Itachi.
    Die beiden Ninjas verbeugten sich fast bis zum Boden. Ihnen war anzusehen, dass sie sich gar nicht wohlfühlten mit dem Gedanken, den Hokage respektlos behandelt zu haben.
    „Und jetzt entschuldigt euch gefälligst anständig.“ forderte Naruto, „sonst pack ich den knuffigen Fuchs aus!“
    „Es… es tut uns…sehr leid, Meister Hokage! Das wird… ganz bestimmt …nicht wieder vorkommen! Wir sind Ihnen gegenüber bedingungslos loyal!“ stotterten sie.
    „Schön.“ sagte Itachi nur, „dann seh ich euch morgen in meinem Büro.“ auf einmal wirkte er richtig streng, wie man sich einen Hokage vorstellte, „und du beruhigst dich, Naruto.“
    In diesem Moment stellte Ayame vier dampfende Schalen auf die Theke.
    Naruto riss gierig seine Essstäbchen aus der Papierhülle, Itachi zog sie mit der gewohnten bescheidenen Eleganz heraus. Die beiden Ninjas waren knallrot geworden, entschuldigten sich hastig und verließen den Laden, ohne etwas zu essen.
    „Die Suppe riecht unheimlich toll!“ freute sich Naruto und stützte sich mit seinem üblichen, lebhaften Essverhalten auf seine heißgeliebte Nudelsuppe.
    Itachi aß ziemlich langsam und als er die kleinen, weißen, chinesischen Nudeln aus der Suppe geholt hatte, trank er den Rest ebenso leise und bedächtig.
    „Man merkt, dass er aus einer vornehmen Familie kommt. Itachi weiß sich zu benehmen.“ dachte Ayame, „wenn ich mir dagegen Naruto anschaue…“
    „Mmmjam, hey, Ayame, die Chuppe isch genaucho gut wie wenn dein Vater chie macht.“ sagte Naruto mit vollem Mund, „echt chetzt!“
    Itachi sah Naruto dabei zu, wie dieser glücklich seine Nudeln schlürfte und empfand sich zum ersten Mal als Sensei. Er hatte früher immer entweder Lehrer oder (sein Vater hatte es damals im ganzen Dorf erzählt) Hokage werden wollen. Als seine Lehrerin in der Akademie ihn gefragt hatte, was er später werden wollte und was er mit seinem riesigen Talent anfing, hatte er geantwortet:
    „Ich werde vielleicht ein Lehrer. Mein Vater sagt, ich soll mal Hokage werden, aber ich will erst mal alles lernen, bevor ich mit dem, was ich mit meinem Leben mache, für Frieden sorgen kann.“ damals war er sechs Jahre alt gewesen.
    Jetzt war er Hokage. Der Hokage der Sechsten Generation. Itachi wusste, wie viel Macht er nun hatte und dass er sie richtig nutzen würde. Um seinen alten Traum, den er seit seiner Kindheit und dem Krieg, zu dessen Zeit er vier Jahre alt gewesen war, hatte, zu verwirklichen: so stark zu sein, dass er für Frieden sorgen konnte.

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