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Katzenflüsterin

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10 Kapitel - 919 Wörter - Erstellt von: Lucy - Aktualisiert am: 2011-12-01 - Entwickelt am: - 1.669 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Ich wäre gern so wie Lira! Sie ist einfach toll. Ich liebe Katzen, was mich zum Schreiben dieser kurzen Geschichte gebracht hat. Viel Spaß ;)

    1
    Lira warf ihre Tasche über die Schulter und trat vor die Stundenplantafel, um sich die Änderungen für den nächsten Tag anzusehen. Ein paar Mädchen aus der fünften oder sechsten Klasse saßen dort und sahen zu der Zehntklässlerin hinauf. Lira entging das nicht. Sie lächelte den Mädchen zu und strich sich eine lange, dunkelbraune Lockensträhne aus dem Gesicht. Dann wandte sie sich wieder dem Plan zu. Erste Stunde Ausfall, letzte Stunde Ausfall, dritte Stunde Biologie; da musste man sich nichts aufschreiben.

    2
    Lira verließ das Schulgebäude und machte sich auf den Heimweg. Plötzlich kam ihr jemand hinterher.
    "Hey du, warte doch mal!"
    Lira drehte sich um. Es war ein Mädchen aus der achten Klasse. Sie hatte kurze, schwarze Haare und trug einen bunt gemusterten Rock. Lira kam sich ein wenig jungenhaft vor mit ihrer kurzen Hose und den Turnschuhen. Sie lächelte.
    "Was gibt es denn?"

    3
    "Naja, also ... ich wollte dich nur was fragen."
    "Dann frag doch."
    "Ich wollte wissen ... warum du dich mit Jüngeren wie mir abgibst. Das ist sonst nicht die Art der Zehntklässler."
    Lira schwieg einen Moment, um die richtigen Worte zu finden.
    "Also, erstens bin ich nicht die anderen.", meinte sie schließlich, "Und zweitens hängt eine gute Unterhaltung doch nicht vom Alter ab."

    4
    In dem Moment kam eine Katze angelaufen; strich Lira um die Beine und kletterte ohne zu Zögern an ihr hoch. Dabei hinterließen ihre Krallen ein paar Kratzer an Liras Bein. Lira schien das nicht zu stören, sie lächelte nur und streichelte das Kätzchen. Das Mädchen staunte.
    "Ist das deine?"
    "Nein. Ich habe keine Tiere. Das machen Katzen bei mir immer. Ich weiß auch nicht, woher das kommt."

    5
    "Du hast es gut. Ich kann überhaupt nichts.", seufzte das Mädchen. Lira nahm die Katze von ihrer Schulter und setzte sie sanft auf den Boden.
    "Das ist nicht wahr.", sagte sie.
    "Woher willst du das wissen?", gab das Mädchen zurück.
    "Weil jeder irgend etwas kann. Die einen können malen, die nächsten sind gut in der Schule, wieder andere haben es mit der Musik. Du hast doch sicher auch Hobbys."

    6
    Das Mädchen sah auf den Boden. Sie schwieg eine Weile.
    "Ich schreibe.", sagte sie schließlich. Lira sah auf.
    "Du schreibst? Geschichten meinst du?"
    "Naja, ich versuche es."
    "Wirklich beneidenswert.", meinte Lira. Das Mädchen sah überrascht auf. Von einer Person wie Lira so etwas gesagt zu bekommen, das sollte schon was heißen.

    7
    "Nett von dir, danke. Du scheinst ganz anders zu sein, als du immer beschrieben wirst."
    "Wie werde ich denn beschrieben?", fragte Lira nach.
    "Gefühlskalt, egoistisch und taktlos.", antwortete das Mädchen - erst da fiel ihr auf, wie verletzend das war. Doch bevor sie sich hätte entschuldigen können, sprach Lira.
    "Da kann ich dich beruhigen. Ganz so schlimm ist es noch nicht."

    8
    "So ... so war das nicht gemeint ...", stammelte das Mädchen. Lira lächelte nur.
    "Was kannst du für die Gerüchte, die über mich verstreut werden? Aber zumindest bei dir will ich sie wiederlegen."
    Sie machte eine kurze Pause, ehe sie weitersprach.
    "Wenn ich egoistisch wäre, würde ich mich nicht mit dir unterhalten. Als allzu taktlos würde ich mich auch nicht unbedingt bezeichnen; und wäre ich gefühlskalt, könnte ich weder lachen noch weinen."

    9
    Das Mädchen staunte.
    "Da hast du wohl recht.", gab sie zu, "Man sollte vorher überlegen, wenn man Gerüchte in die Welt setzt."
    "Mich stört es nicht.", sagte Lira, "Ich bin es gewohnt. Wer anders ist, wird verurteilt. Und ich bin nun mal anders."
    Wie zu Bestätigung sprang das Kätzchen erneut an ihr hoch. Kurz darauf erschien eine weitere Katze und strich schnurrend um Liras Beine.

    10
    Lira kniete sich auf den Boden.
    "Was habt ihr denn heute?"
    Eine der beiden Katzen begann mit Liras langen Haaren zu spielen. Es kamen weitere Katzen, obwohl bis eben keine einzige zu sehen war. Lira lächelte dem Mädchen zu.
    "Setz dich auch hin.", sagte sie leise, "Sie merken, dass du zu mir gehörst, und wollen dich kennenlernen."
    Kaum saß das Mädchen ebenfalls, waren die beiden von Katzen umringt.

Kommentare (2)

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Morgen (04274)
vor 97 Tagen
Schöne Geschichte! Mal was Anderes! Richtig cool!
Baum (76280)
vor 847 Tagen
Schöne Geschichte und gut geschrieben!!