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Gestohlen

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15 Kapitel - 7.922 Wörter - Erstellt von: Bea - Aktualisiert am: 2011-11-15 - Entwickelt am: - 1.872 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

In dieser Geschichte wird von dem Schicksal zweier Mädchen erzählt, deren Leben gestohlen wurde. Ihre ganze Zukunft, nur durch einen Entschluss, einen einzigen Tag: Verloren.

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Wie lange liege ich schon hier? Stunden? Nächte? Vielleicht eine Woche? Ich weiß es nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. Bestimmt würde es mic
Wie lange liege ich schon hier? Stunden? Nächte? Vielleicht eine Woche? Ich weiß es nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. Bestimmt würde es mich zu sehr erschrecken. Meine Gesichtszüge sind hart, mein Ausdruck kühl. In meinem Blick lag früher eine unbeschreibliche Hoffnungslosigkeit. Doch diese wurde durch die Leere abgelöst, die Gleichgültigkeit. Alles ist mir egal geworden. Schon lange fühle ich nichts mehr. Nur wenn ich ihn sehe, durchwogt mich eine brennend, heiße Zorneswelle, die sich mir wie ein giftiges Feuer ins Herz brennt und nie erlöschen will. Hass, das ist es, was ich dann spüre. Eiskalter Hass. In solchen Momenten, wünsche ich mir, ich hätte ein Messer bei mir. Nur ein Stich und alles wäre vorbei. Vorbei.
Ein leises Kinderweinen durchreißt die Stille, wie ein Messer ein schwarzes Tuch. Meine Augen sind Müde, ich kann sie kaum aufhalten. Mir ist so kalt...so kalt… Ich strecke mich und versuche die Tränen weg zu wischen. "Nicolas?" rufe ich mit brüchiger Stimme. Man hört mir an, dass ich sie schon lange nicht mehr benutzt habe. Das Weinen verstummt, es herrscht einen Augenblick Stille. "Mama..." höre ich meinen Sohn flüstern. Er ist drei Jahre alt und hat hellblaue Augen, so wie ich. Doch die Haare, schwarz, lockig und lang, hat er von seinem Vater. Seinen Vater, den ich über alles Hasse… Ich bin fünfzehn. Sein Vater neunzehn. Manchmal frage ich mich, ob ich Nicolas auch hassen sollte. Es ist sein Kind…Sein ekliges Sperma, nichts anderes als eine Zelle die den weg zu meiner Geschafft hat. Doch wenn ich den kleinen im Arm habe, denke ich nicht einmal mehr daran. Meine Abscheu verschwindet, vor seinem, meinem Sohn. Das Gefühl was bleibt, ist Liebe. "Hast du wieder böse Träume gehabt?" frage ich und versuche mich, leicht zitternd, in der Dunkelheit zu ihm zu tasten. Doch Nicolas rennt schon zu mir und schlingt schluchzend die Arme um mein nacktes Bein. Seine Haare kitzeln mich. Ich bin vollkommen nackt und auch Nicolas trägt nichts anderes als eine Windel. Vorsichtig löse ich ihn von meinem Unterschenkel, den er fest umklammert hält und hebe ihn hoch. Er ist so leicht...viel zu leicht. Ich nehme ihn auf den Arm, so nah an mein Gesicht, dass ich ihn im schwachen Licht der Sterne erkennen kann. Silbrige Tränen, rinnen seine Wangen hinab. Ich versuche zu lächeln, doch es ist mehr eine Grimasse als ein Lächeln. Ich drücke ihm einen Kuss auf die Wange, er umarmt mich. Schon lange haben wir das nicht mehr gemacht. Das Fenster steht offen und ein schwacher Wind weht mir die Haare ums Gesicht. "Ich hab dich lieb Nicolas. Vergiss das Niemals. Nie." Der Kleine nickt kurz. Seine hellen Augen sehen mich abwägend an, als ob er sich fragt, ob ich die Wahrheit sage. Aber da ist kein Zweifel in seinem Blick. Lange stehen wir so da, ohne uns auch nur zu rühren. Umklammert, in einer Umarmung, gleich, zwei Schiffbrüchigen, in einem
gemeinsamen Albtraum gestrandete.
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Gestohlen
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In dieser Geschichte wird von dem Schicksal zweier Mädchen erzählt, deren Leben gestohlen wurde. Ihre ganze Zukunft, nur durch einen Entschluss, einen einzigen Tag: Verloren.
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2011-11-14
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Fanfiktion

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