Schade, dass das Schicksal Regie führt und nicht ich.

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1 Kapitel - 2.129 Wörter - Erstellt von: JulesHatake - Aktualisiert am: 2011-09-15 - Entwickelt am: - 5.461 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Megan Blacks Leben scheint aus den Fugen zu geraten, als sie kurz vor ihrem sechsten Schuljahr von ihrem Vater erfährt, dass sie eine Zwillingsschwester hat, die zusammen mit ihrer leiblichen Mutter in Frankreich lebt. Als ob alles nicht schon schlimm genug wäre, findet dieses Jahr in Hogwarts das Trimagische Turnier statt, weshalb Megan keine andere Wahl hat, als sich dem Zusammentreffen mit Juliette, durch und durch einer Französin mit einer brodelnden Leidenschaft für Mode und Kosmetik, zu stellen. Ihre Hoffnung, sie und ihre Zwillingsschwester könnten, genau wie Fred und George Weasley, Megans beste Freunde seit ihrer Kindheit, genau gleich sein, wird bald mitsamt ihrem ganzen alten Leben über Bord geworfen. Hätte Megan nicht ihre Freunde, die ihr immer wieder Halt geben, würde sie vermutlich ertrinken in all den Problemen, die ihre Zwillingsschwester im Schlepptau hat. Dennoch werden Freundschaft und Liebe auf eine harte Probe gestellt und alles scheint sich unkontrollierbar zu verändern …

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› › Prolog ‹ ‹
»Die Grundbausteine meiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? – Lügen.«

Belustigt sehe ich meinem dicken, getigerten Kater zu, wie er durch die Wiese tollt und den Schmetterlingen nachjagt. Es ist ein warmer Tag in den Sommerferien und der Himmel ist strahlend blau und wolkenlos. Ich sitze mit einem Glas eisgekühlten Orangensaft vor dem kleinen Haus, in dem ich mit meiner Familie wohne, und genieße die Sonnenstrahlen, die mich im Gesicht kitzeln.
Als mein Vater sich schweigend neben mich setzt und seine Finger unruhig knetet, weiß ich sofort, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich spüre Unbehagen in mir aufkommen, Angst davor, was los sein könnte. Es gab bis jetzt nur wenige Momenten, in denen Dad sich so benahm, wie jetzt. Und da er scheinbar nicht vorhat, mit der ganzen Familie über die Sache, die an ihm nagt, zu sprechen, kann das nur bedeuten, dass es nur mit mir zu tun hat. Mist. Das kann absolut nichts Gutes bedeuten.
Ich atme tief durch und suche krampfartig nach den richtigen Worten. Mein Vater steht so oder so schon genug unter Druck, das ist ihm deutlich anzumerken, also will ich es ihm nicht noch schlimmer machen. Auch, wenn ich keine Ahnung habe, was genau mit ihm los ist. Wenn ich irgendetwas verbrochen habe, sieht er nämlich nicht so aus.
»Okay, Dad, versuch gar nicht erst, es ab zu streiten – warum guckst du, als wäre eine Armee Läuse dir über die Leber gelaufen und hätte etwas Lebenswichtiges mit sich gerissen?« Nun, vielleicht nicht die beste Art und Weise, nachzufragen, aber immerhin ist mir nichts anzumerken.
Ich bin gefasst auf jede erdenkliche Antwort und habe schon einige, immerhin halbwegs akzeptable im Sinn (natürlich hat auch die sengende Hitze ihren Verdienst daran, dass mir spontan nur die seltsamsten Dinge durch den Kopf spuken): Ich bin nur adoptiert, nicht seine Tochter und muss ab sofort in einem Bunker leben, da mein wahrer Vater ein Massenmörder ist, der aus dem Gefängnis ausgebrochen ist, um mich zu finden; mein Vater muss zur Armee und sich eine Glatze rasieren lassen; ich muss zur Armee und mir eine Glatze rasieren lassen; meine (Adoptiv-)Mutter hat heute beim Einkaufen vergessen, neue Schokolade zu besorgen und hat kein Geld mehr, welche zu kaufen; meine kleine (Stief-)Schwester Charlotte ist an dem vielen Eis, das sie in letzter Zeit ununterbrochen gegessen hat, erstickt, liegt im Krankenhaus und kann nur durch eine Wunderblume, die tief im Dschungel wächst, aus dem Koma erweckt werden …
Nur mit dem, was ich tatsächlich als Antwort erhalte, habe ich absolut nicht gerechnet. Selbst in meinen konfusesten Albträumen habe ich mir das nicht ausgemalt. Das geht weit über meinen Verstand. Meilenweit, um genau zu sein.
»Es … es hat mit deiner Mutter zu tun, deiner leiblichen Mutter«, setzt mein Vater scheinbar atemlos an und wischt sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. »Ich … ich … na ja, es gibt da etwas, das ich dir verschwiegen habe.«
In der Pause, die nun entsteht, um entweder die Dramatik zu steigern oder aber meinem Dad Zeit zu geben, die richtigen Worte zu wählen, kann ich nicht umhin, als ihn fassungslos anzustarren. Denn meine Fassung ist soeben mitsamt meiner irrwitzigen Vorstellungen, wie die Antwort ausfallen könnte, über Bord geworfen worden und hat einer Ladung Wut Platz gemacht. Denn wenn es Eines gibt, dass ich wirklich hasse (und das, obwohl meine (Stief-)Mutter mir verbietet, dieses Wort auch nur in den Mund zu nehmen, wohl gemerkt), dann sind es diese Momente wie jetzt, in denen ich erfahre, dass ich belogen wurde. Es ist mir egal, warum. Ob zu meinem Schutz, meiner Sicherheit, der Angst, wie ich es aufnehmen könnte … mir geht es grundsätzlich immer um die Wahrheit. Ich bin kein kleines Schäfchen, das umringt von seinen anderen weißen, wolligen Gefährten vor Feinden geschützt werden muss. Ich bin einfach nur Megan. Megan, die nicht belogen werden will und das trotz alledem immer wieder wird.
»Meggie, ich weiß nicht, wie ich dir das jetzt … schonend beibringen soll, aber … du hast eine Zwillingsschwester, die gemeinsam mit deiner Mutter in Frankreich lebt.« Ich habe noch nicht einmal Zeit, im erneut einzuschärfen, dass er mich nicht wie ein Kleinkind nennen soll, und zu verstehen, was er da gerade gesagt hat, als er schon fortfährt, als würde er es für beide Seiten noch schlimmer machen wollen: »Und … na ja, du weißt ja, das dieses Schuljahr nicht wie üblich sein wird, weil alle so ein Geheimnis daraus machen … ich darf dich zwar nicht einweihen, aber … du wirst dort auf deine Schwester treffen. Wenn du … wenn du Fragen hast, kannst du sie mir ruhig stellen. Das muss alles sehr … verwirrend für dich sein.«
Stille. Selbst die Grillen scheinen aufgehört haben zu zirpen, als warten sie auf meine Reaktion, die nicht kommen will.
Während mein Blick einen Grashüpfer fixiert, weiß ich nicht, was man jetzt genau von mir erwartet. Soll ich anfangen zu weinen? Oder doch besser schreien oder hysterisch lachen? Soll ich weglaufen, wie die Leute in schlechten Filmen, wenn sie etwas Derartiges erfahren haben oder soll ich doch lieber vor Freude quieken? Ich weiß es nicht. Im Allgemeinen scheine ich gerade betäubt zu sein. Ich fühle mich wie damals, als ich im Krankenhaus lag, um am Blinddarm operiert zu werden. Als ich aufwachte, umringt von meiner besorgten Familie, stand ich noch immer im Einfluss des Betäubungsmittels und war nicht einmal fähig dazu, zu lächeln und irgendetwas Unangebrachtes zu sagen. Da war dieser undurchdringliche Schleier, der mich von der Außenwelt abschnitt und nur gedämpft einige Stimmen und Wahrnehmungen durchdringen ließ. Genauso fühle ich mich jetzt, begleitet von diesem Déjà-Vu-Gefühl. Vielleicht wache ich ja jeden Moment auf, in einem der weißen Krankenhausbetten, in ein steriles Nachthemd gekleidet.
Leider nicht.
»Warum hast du mir nie von ihr erzählt?« Ich will nüchtern klingen, gefasst und stark, so, wie es eigentlich meine Art ist, aber diese Frage kommt mir nur als heiseres Flüstern über die Lippen. Warum, ist mir selbst nicht klar, immerhin bin ich viel zu geschockt, um zu irgendwelchen Empfindungen imstande zu sein.
Jetzt sieht Dad mich direkt an und ich kann meinen Blick nicht von seinen besorgt drein blickenden, blauen Augen, die meinen so ähnlich sind, abwenden. »Weil ich … ich wollte es nicht noch schlimmer für dich machen, außerdem war das Teil der … Vereinbarung zwischen deiner Mutter und mir.«
Aha. Dann war das alles also auch noch von Anfang an geplant. Meine Zwillingsschwester wurde also ebenso wie ich ihr ganzes Leben lang angelogen, damit unsere Eltern sich die unnötigen Komplikationen sparen konnten. Obwohl ich weiß, dass mein Vater nicht so ist, kann ich diesen kleinen Funken Wut, der früher oder später, sobald ich wieder halbwegs bei mir bin, zu einem Inferno ausarten wird, nicht auslöschen. Das ist unmöglich. Ich komme mir zu betrogen vor, um mir jetzt Gedanken darüber zu machen, ob ich ungerecht zu meinem Vater bin oder nicht.
Ich erfahre, dass meine Mutter und mein Vater, als die Sache mit der Scheidung offiziell war, darum stritten, wer mich und meine Schwester behalten dürfte. Meine Mutter wollte schließlich zusammen mit ihrem neuen, durch und durch französischen Liebhaber zurück nach Frankreich, ihrem Heimatland, und so war der gute alte »Mal bei Mum, mal bei Dad«-Kompromiss nicht möglich. Und da sofort Geschirr durch die Luft flog, wenn man die Beiden zusammen in einen Raum sperrte, wendeten sich meine – beziehungsweise unsere – Eltern ans Jugendamt, um die Sache endgültig zu klären. Es wurde beschlossen, dass jeder einen von uns beiden bekommen sollte, ein fairer Deal. Und um für einen glatten Bruch zu sorgen, vereinbarten meine Eltern, den Kontakt zueinander abzubrechen, die alten Familienphotos in sichere Verstecke zu bringen und mir und meiner Schwester nicht voneinander zu erzählen. Mit der Tatsache, dass wir uns eines Tages treffen würden, hatte zu diesen Zeiten niemand gerechnet. Und obwohl wir verschiedene Nachnamen trugen und verschiedene, landeseigene Akzente hatten, konnte nicht verleugnet werden, dass wir einander glichen wie ein Ei dem anderen.
»Jetzt weiß ich zumindest, warum ich Fred und George von Anfang an problemlos auseinanderhalten konnte«, sage ich und versuche vergeblich ein Grinsen zustande zu kriegen. Leider erfolglos. Meine Mundwinkel wollen sich nicht nach oben ziehen lassen, und als ich zumindest die Lippen einen Spalt breit auseinander bekomme, muss ich eher furchteinflößend als lustig aussehen.
Dad scheint darum bemüht zu sein, zu lachen, aber auch ihm bleibt das Lachen im Hals stecken. Er knetet nervös seine Finger, während vereinzelte Schweißtropfen ihm die Stirn hinab laufen. Ich ertrage die Anspannung nicht mehr, richte mich unbewusst auf und murmle etwas Unverständliches, das mein Vater hoffentlich als »Ich bin jetzt bei meinen besten Freunden, heule mich mehr oder weniger aus und bin zum Abendessen wieder da« versteht.
Auch wenn es mir wehtun wird, in Kürze Fred und George – Zwillingen – gegenüber zu stehen, so muss ich sie doch besuchen und ihnen alles bis ins letzte Detail erzählen. So ist das eben mit Sandkastenfreundschaften. Außerdem habe ich den beiden hoch und heilig versprochen, sie heute noch besuchen zu kommen, damit wir gemeinsam ihre – beziehungsweise unsere – neueste Erfindung auszuprobieren können. Ich arbeite schon lange mit den Zwillingen an Scherzartikeln für den Laden, den wir nach unserem Schulabschluss eröffnen wollen. Wir waren schon immer auf derselben Wellenlänge, sodass wir uns wortlos verstanden, fast als wären wir Drillin-
Ich spüre den Stich, den mir dieser Gedanke versetzt, und weiß ihn nicht genau einzuordnen. Ich bin noch viel zu verwirrt, als dass ich den kompletten Sinn der Worte verstehen könnte, die mein Leben wohl oder übel noch von Grund auf umkrempeln werden. Aber der Gedanke, dass ich Fred und George, meinen allerbesten Freunden seit ich denken kann, nun erzählen werde, dass auch ich eine Zwillingsschwester habe, bereitet mir Unbehagen. Wie werden sie darauf reagieren? Ich habe die beiden immer problemlos einschätzen können, doch jetzt scheint alles ins Wanken zu geraten.
Ich kann den Gedanken, dass all das vielleicht nur einer meiner Träume ist, nicht abschütteln, obwohl ich weiß, dass es nahezu lächerlich ist, sich vor der Realität zu verstecken. Doch in mir breitet sich ein Angstgefühl aus, das langsam alles in mir für sich einnimmt. Ich möchte um Hilfe schreien, laut rufen, dass man doch bitte das Leben anhalten solle, weil ich aussteigen will … aber ich weiß, dass es zwecklos ist.
Aber die Zukunft, die mich erwartet, mit offenen Armen zu empfangen, ist für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Ich will einfach nicht akzeptieren, dass meine Zwillingsschwester nun mein ganzes Leben, das doch so perfekt ist, verändern wird. Zwar kann ich das nicht hundertprozentig wissen, aber irgendeine Stimme in mir sagt mir, dass Veränderungen ab jetzt unvermeidbar sein werden. Dass ich nicht mehr die Kontrolle über mein Leben haben werde. Dass das Schicksal von nun an die Fäden in den Händen halten wird …
So habe ich mir meine Sommerferien nun wirklich nicht vorgestellt.

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George♥ ( 65.10 )
Abgeschickt vor 307 Tagen
Weiter schreiben, please.
Tam.C ( 3.211 )
Abgeschickt vor 461 Tagen
Wirklich gut schreib doch bitte weiter es ist wirklich schön
Ginevra Weasly ( 2.175 )
Abgeschickt vor 593 Tagen
So schön. Du hast echt Talent. Biiiiiittte schreib doch endlich weiter!!!!!
Rose Weasley ( 0.251 )
Abgeschickt vor 651 Tagen
Warum schreibst du nicht weiter? :(
Bookworm ( 9.188 )
Abgeschickt vor 660 Tagen
Ich finde deine Geschichte wirklich toll, aber ich finde es traurig, dass du nicht weitergeschrieben hast. Ich habe mehrmals nachgesehen, aber jetzt nach über vier Jahren, hast du immer noch nicht weitergeschrieben.
Schade, ich hätte gerne weitergelesen. :(((