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Follow Eyes - Wer bin ich wirklich?

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3 Kapitel - 11.538 Wörter - Erstellt von: Chiyo yumi - Aktualisiert am: 2011-04-01 - Entwickelt am: - 3.243 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Wer hat schon mal über Engelreinkanation nachgedacht?

Wer bin ich?
Ich weiß nicht mehr, was in den letzten Monaten passiert war. Mein Gedächtnis schien ausgelöscht geworden zu sein. Das Einzige an was ich mich erinnern konnte, als ich die Augen öffnete, war der beißend, stechende Geruch eines Krankenzimmers und die besorgt aussehenden Gesichter um mich herum.

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Wer bin ich?
Ich weiß nicht mehr, was in den letzten Monaten passiert war. Mein Gedächtnis schien ausgelöscht geworden zu sein. Das Einzige an was ich mich erinnern konnte, als ich die Augen öffnete, war der beißend, stechende Geruch eines Krankenzimmers und die besorgt aussehenden Gesichter um mich herum. Ich schätzte so, dass es ungefähr drei Männer waren. Zwei standen in der hintersten Ecke des Zimmers und unterhielten sich angeregt über irgendetwas. Leider konnte ich nicht verstehen worüber. Meine Sinne schienen noch nicht wirklich wieder zu funktionieren. Ständig fielen automatisch meine Lider von der gewohnten Müdigkeit zu. Auf einmal wurde es hell. Jemand hielt mir eine Taschenlampe ins Gesicht und öffnete leicht meine Augen. Dann trat er wieder zurück und setzte sich auf einen Stuhl neben dem Bett.
Er schien Arzt zu sein. Sein weißer Mantel blendete mich, da die Lichter im Raum, nach meiner Einschätzung, zu hell eingeschaltet waren. Als er bemerkte, dass ich langsam meine Augen öffnete und mich bewegte, stand er auf und kam auf mich zu. Seine Stimme war klar und ruhig. Nichts bedrohlich lag darin. Dennoch schien er etwas nervös zu sein.
„Hallo...Miss...können sie mich hören?...Nicken sie einfach, wenn sie mich verstehen.“, sprach er langsam und vorsichtig, damit ich auch jedes einzelne Wort verstand.
Obwohl ich noch benommen war, sah ich zaghaft in sein Gesicht und schaute mich leicht um. „Wo...bin ich?“, fragte ich schwach.
Meine Stimmbänder schienen eingeschlafen zu sein. Anscheinend hatte ich sehr lange geschlafen. „Wie lange bin...ich schon hier?“
Der Arzt lächelte gütig, aber dennoch mit einer Distanz in seinem Blick:
„Sie sind im Wellford – Klinikum in Richmond.“ Er machte eine kurze Pause, als ob er die letzten Worte zu schnell erwähnt hatte. Er fasste sich wieder, strich sich kurz über seine linke Schläfe und setzte erneut an: „Wie geht es ihnen? Sie haben sehr lange im Koma gelegen...!“
Seine Stimmung schwankte in eine eher trübe und zugleich traurige. Er wendete seinen Körper in Richtung der anderen Männer, welche ihre Unterredung eingestellt hatten. Während die eine den Raum geschwind verließ, nickte die andere. Die Augen zum Boden gerichtet. Dem Arzt schien diese Entscheidung nicht zu gefallen. Er reagierte mit einer Abwehrhaltung und verschränkte die Arme vor seinem Körper. Anscheinend war das irgendein Vorgesetzter. Der Arzt begann wieder zu reden.
Ich verstand nur sehr wenig, was er sagte.
Ziemlich viel Fremdsprache war darin enthalten, glaubte ich zumindest. Es hörte sich an, als ob er mir meine Rechte vorlas. Ich fühlte mich, wie eine Angeklagte vor Gericht. Nicht wie eine Schwerverletzte im Krankenhaus. Er holte bei seinen letzten Worten tief Luft und stellte seine letzte Frage, auf welche ich nicht vorbereitet war.
„Wissen Sie noch was passiert, bevor sie zu uns gekommen sind?“
In diesem Moment fing mein Gehirn an zu arbeiten. Doch irgendwie schienen wichtige Fakten auszubleiben. Ich versuchte mich zu konzentrieren.
Alles war weg.
Mein Atem stockte und mein Herz fing unwillkürlich schnell an zu schlagen. Ich suchte in meinen Erinnerungen nach der richtigen Antwort, doch konnte keine finden.
Mein Kopf war leer...sprichwörtlich leer.
„Ich weiß...!“, fing ich an, musste aber dann feststellen, dass ich nicht weiter sprachen konnte. Mir fiel nicht mal mein Name ein.
„Ich...!“, begann ich von vorn, aber dennoch ich wusste nichts mehr. Wer war ich?
Wo ist meine Familie? Wenn ich eine hatte. Und wo wohne ich?...Tausend Fragen hätte ich mir stellen können, doch keine konnte ich beantworten.
Tränen flossen meine Wange hinunter. Um diese Schmach nicht als Angst zu präsentieren, wollte ich mich zur Seite drehen, jedoch hielt mich etwas davon ab.
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich an mehreren Schläuchen angeschlossen war. Meine Handgelenke waren mit Fesseln bestückt, welche mich ans Bett pressten. Ich wurde nervös und krampfte. Ich wälzte mich und verzog mein Gesicht bei den Schmerzen, welche auslöst wurden, weil sich die Schläuche sich abrupt bewegten. Ich schrie auf.
Der Arzt fuhr nun auf: „Beruhigen sie sich...! Alles in Ordnung!“ Er betonte das letzte Wort extra scharf und versuchte dennoch ruhig zu bleiben. Ich, jedoch konnte mich nicht darauf konzentrieren. Ich wollte einfach hier raus. Die Angst in seiner Stimme stieg an. Ich war drauf und dran mich von meinen Fesseln zu lösen. Ich schrie und protestierte gegen diesen Zustand, doch der Arzt versuchte die Ruhe zu behalten, welche er langsam nach und nach verlor. Keines seiner beruhigenden Worte erreichte mich.
Die Panik, welche sich nach und nach ausgebreitet hatte, schien ihren Höhepunkt zu erreichen. Angelockt durch die Schreie kamen Menschen hinein gestürmt, um nach dem Rechten zu sehen. Der Arzt und sein Vorgesetzter schicken sie wieder weg.
„Alles unter Kontrolle. Wenden sie sich wieder ihren Aufgaben zu.“, entgegnete einer der Beiden der Masse. In kurzen Ruhephasen linste ich zu den Menschen. Ihre verschreckten Gesichter sprachen Bände. Ich sah wahrscheinlich wie eine Irre aus. Als dann der Arzt auf mich zu kam und wieder auf mich einredete, ignorierte ich ihn ganz und versuchte mich zu befreien.
Er raufte sich die Haare und machte einen wütenden Eindruck. Schließlich entgegnete er mir etwas in schriller Stimme und rannte davon. Er diskutierte mit dem anderen Mann am Ende des Raums. Anscheinend wollte er ihn dafür gewinnen zu bleiben. Der Arzt zeigte mit gestreckten Zeigefinger auf den zweiten Mann. Es Der Mann in schwarz bekam anscheinend den Zuspruch und trat nun geschmeidig auf mich zu. „Also...!“, begann er, während er eine Hand in seine Tasche streckte.
„...und was machen wir nun mit dir?“ Seine samtweiche Stimme ließ mich gleich zurückfahren. Meine Wut schien verraucht und mein Gemütszustand verbesserte sich, obwohl ich nicht wusste, was eigentlich los war.
Mein Gesicht weichte leicht auf und entkrampfte sich, die Anspannung verließ meinen Körper. Solch ein Gefühl hatte ich nie vorher gespürt. Eine innere Ruhe trat ein.
Er lehnte sich an mein Bett. Endlich konnte ich sein Gesicht erkennen. Es war jung und dennoch hart geschnitten, wie das eines reiferen Mannes. Es glich eher jemanden aus dem Fernsehen. Diese härteren Züge wichen jedoch aus seinem Gesicht, als er begann zu lächeln.
Er bemerkte meinen erstaunten Blick und sein Lächeln verbreiterte sich. „Na...was ist denn jetzt? Hat mein Auftritt sie so verschreckt, dass sie vergessen haben weiter zu schreien?" Sein Blick wurde weicher und meiner betrübter, dennoch konnte ich mich nicht mehr gegen meine Gefangenhaltung währen. Seine Persönlichkeit strahlte etwas friedliches aus, was mich gleich wieder entspannen ließ, sofern ich verkrampfte.
„Ich empfinde es als unhöflich sich nicht vorzustellen...! Mein Name ist Kalidan Levi. Ich entschuldige mich noch einmals für das Auftreten meines Chefarztes! Ich hoffe sie können ihm verzeihen?“, fragte er mit solch einer klangvollen Stimme, dass ich nur still nicken konnte. Diese Worte waren warm und gewählt gesprochen. Sie klangen wie aus einem anderen Jahrhundert.
Nachdem er sich kurz abgewendet hatte, fasste ich mich und fragte zaghaft: „Warum...bin ich hier?“ Er drehte sich mir zu und berührte leicht meine linke Hand. Ein Stich durchzuckte meinen Körper. Seine heißen Finger fühlten sich, wie Nadelstiche auf meiner kalten Haut an. Meine Augen beobachteten das Geschehen. Er bemerkte dies und zog sie wieder zurück, der leichte Schmerz verschwand. Er schaute auf und erwiderte meinen verwunderten Blick. Ein Lächeln umspielte seinen Mund, welches in ein Grinsen überging und sprach scherzhaft: „Das könnten wir sie genauso gut fragen!“ Mein Gesicht wurde steifer. Jetzt konnte sogar seine Anwesenheit mich nicht mehr beruhigen. Die Angespanntheit nahm wieder zu. Bei dem Gedanken, ich könnte wieder etwas nicht beantworten, stockte mir der Atem.
„Warum sind sie hier?“, wiederholte er meine Frage. „Nun...!“ Er fasste sich am Nacken und durchstrich leicht sein Haar, als ich ihm nicht antwortete. Ich sah ihn fragend an. „...um ehrlich zu sein, wir wissen es auch nicht. Niemand weiß woher sie kommen, deswegen sind auch alle so besorgt, dass sie gefährlich sein könnten. Ich hoffe sie verstehen das.“
Jetzt wusste ich, warum ich festgeschnallt war, aber warum im Namen Gottes, sollte ich jemand etwas antun? Er setzte in der kurzen Pause wieder an und sprach langsam weiter, damit ich alles verstand: „Wir wissen nicht wer sie sind woher sie kommen...! Und ebenso wenig, warum sie blutüberströmt mit den verschiedensten Wunden vor unserem Krankenhaus lagen. Hätte ein Pfleger sie draußen nicht gefunden, wären sie wohl draußen im Regen verblutet.“ Ein Schock setzte sich in meinem Gesicht ab. Nicht, dass ich mich nicht mehr erinnern konnte, wer ich war, oder was ich anscheinend getan hatte. Viel mehr der Gedanke daran fast gestorben zu sein, bereitete mir Kopfschmerzen. Ich ging nicht davon aus, dass ich jemanden umgebracht hatte. Nach meinen Ermessen konnte ich keine Fliege etwas zu leide tun. Also stand das schon mal außer Frage. Doch wer hatte mich so zugerichtet? Wer war hinter mir her?
Ich sah Mr. Levi verstört an. Ich konnte nicht verstehen, warum und weshalb. Mr. Levi nahm wieder meine Hand. Doch ich merkte ihm an, dass er das widerwillig tat, mit solch einer Distanz, sodass ich mich nicht bedrängt fühlte. Anscheinend glaubte er die Wärme und Nähe seiner Hände würden mich wieder beruhigen. Auch seine samtweiche Stimme konnte nichts ausrichten und mein Körper spannte sich an.
Sämtliche Muskeln meines Körpers verkrampften und meine Augen schienen sich zu drehen. Mir wurde so schwindelig, dass mein Magen flau wurde und ich kurz vor dem Erbrechen stand. Ich spürte nur noch, dass jemand panisch rief: „Holt einen Arzt!“
Ich glaubte es sei Mr. Levi, jedoch war ich mir da nicht so sicher. Diese Stimme hörte sich alles andere als harmonisch an. Sie war rau und aufgebracht. Sie glich die eines Rockers. Jedenfalls stellte ich mir so einen vor.
Alles war mir in diesem Augenblick egal, auch das ich als Verbrecher haftet und in Gefängnis kommen könnte. Ich hatte ja nach dem Blut zu urteilen, jemanden vielleicht auf dem Gewissen gehabt. Außerdem ist es nicht normal einfach im Regen, auf dem härtesten Asphalt zu liegen und vor mich hin zu sterben.
Während meiner Auseinandersetzung in meinem Kopf, protestierte mein Körper immer noch gegen die seelischen Schmerzen. Meine Augen schlossen sich automatisch und blinzelten nur noch leicht, um gegen diese an zu treten. Die Gedanken traten gegen den Körper an. Ich jedoch empfand, dass mein Körper die Oberhand behielt. Das Letzte, was ich meinen Gedanken entnehmen konnte, bevor ich vollkommen wegsackte war: „Warum musste grad mir das alles passieren!“
3 Tage später.
Ich hielt die Augen geschlossen.
Es war eindeutig. Ich lag schon zu lange im Bett. Anscheinend waren die Tage im Nu verflogen. Ich merkte nicht, dass ich einfach mal so drei Tage durchgeschlafen hatte. Ich musste ganz schon fertig gewesen sein – richtig fertig.
Mein Kopf schmerzte noch mehr als zuvor. >Autsch< Ein lautes Pochen hämmerte gegen meine Augen. Ob es mein Herzschlag war oder die Schmerzen konnte ich nicht unterscheiden. Ich fühlte mich matt, unbeholfen. Eine Hand wanderte zum Kopf, presste leicht an meine linke Schläfe und verweilte kurz dort. Oh. Ich bemerkte, dass ich meine Hand frei bewegen konnte. Ich öffnete sachte meine Augen, so vorsichtig, wie es mir möglich war. Ich hielt schützend eine Handfläche vor mein Gesicht, um das zu grelle Licht abzufangen. Weißes Licht durchflutete den Raum: zu stechend für meine bisher Nacht gewöhnten Augen. Keine Fesseln banden mich ans Bett. Ich betrachtete meine Gelenke genau, welche immer noch rote Spuren des Drucks aufwiesen. Leichte Kratzer waren auch vorhanden, was mir aber nicht weiter beschäftigte. Sie waren da. Mir war es eigentlich egal. Ich war so glücklich, endlich frei zu sein. Naja sofern man das als Freiheit bezeichnen konnte.
Das änderte sich als ich einen Blick zu Seite wagte. Es ähnelte alles sehr einer Gummizelle. Da stieg auch schon wieder das Gefühl hoch, dass ich jetzt doch die Fesseln noch besser. „Man das war's wohl mit meiner Freiheit.“, fluchte ich leicht enttäuscht und ließ meinen Kopf in den Nacken fallen. Ich nahm mich zusammen und schaute mich wieder um. Alles weiß – kein bisschen individuell.
Die eintönige Einrichtung wurde garantiert nicht durch die abgerundeten Ecken aufgepeppt. Alles fein säuberlich bearbeitet, damit ich nicht in die Versuchung kommen konnte mir etwas anzutun.
In der Ecke stand ein kleiner Tisch mit einem Stuhl. Beide wurden säuberlich am Boden befestigt. Hätte ich versucht sie rauszureißen, hätte ich mir sicher einen Bruch gehoben. Außerdem sah ich keine Möglichkeit das 5 cm Panzerglas mit meiner minimierten Kraft zu durchbrechen und fliehen zu können. Ich gab mich geschlagen.
Geschlagen von einen Irrenhaus, wo ich momentan sehr gut wahrscheinlich reinpasste. Ich hatte schließlich mein Gedächtnis und somit mein Leben verloren. Was scherte es mich hier überhaupt rauszukommen?
Bei diesen Betrachtungen schauderte ich. Ich wusste sehr wohl, dass ich niemals aufgeben würde wieder frei zu sein. Ich musste einfach herausfinden wer ich war und warum das alles passierte. Mein Leben war mir nicht so egal, wie ich es mir versuchte einzugestehen.
Ich wollte sofort aufstehen und hier weg. Meine Taktik war zunächst meine Beine so auf dem Boden zu positionieren, damit mein geschwächter Körper nicht in einem Moment der Unachtsamkeit stürzte. Der Boden war so kalt, dass sich die Kälte an meinen Beinen nach oben zog, obwohl sie im Moment noch schwebten. Sogar auf meinen Rücken spürte ich ein leichtes Stechen, welches nach ein paar Minuten abschwächte. Ich versuchte meinen Körper zu stabilisieren und stützte mich am Rand des Bettes ab. Ich zitterte leicht, als ich vorsichtig Druck auf meine Beine aufbaute. Anscheinend war der Schock noch nicht ganz abgeklungen. „Los...macht schon!“, befahl ich mit leiser Stimme mir selbst. Schmerzen zogen sich von den Fußspitzen bis in meine Brust. >AH!< Ein kurzer Aufschrei. Das versuchte Aufstehen gestaltete sich schwieriger als gedacht. Meine Beine wollten nicht so wie ich wollte. Sie sackten weg und ich landete wieder auf der Bettkante. „Was für ein Erfolg!“, dachte ich spöttisch.
Doch lange konnte ich nicht darüber „lachen“. Der Schmerz kehrt unaufhörlich zurück und wurde auch noch stärker. Ich verzerrte das Gesicht. Als ich einen stabilen Sitz gefunden hatte, welcher grad noch so für mich erträglich war, zog ich langsam und vorsichtig das lange weiße Kleid zurück, welches geradlinig nach unten glitt. Um mir einen weiteren Halt zu liefern, klammerte ich mich mit einer Hand fieberhaft am Geländer fest.
Ersetzen machte sich in meinem Gesicht breit. Ich entdeckte zwei große Verbände auf jeder Innenseite meiner Beine. Während ich behutsam über diese Strich, um die Größe festzustellen, schossen mir Gedanken in meinen Kopf, was sich wohl darunter verbarg.
Nach einigem Überlegen löste ich nach und nach den Verband meines rechten Beines. Ich hatte sie wieder zu mir heran gezogen und sie vor mir unter Schmerzen ausgebreitet. Mein Verlangen danach zu sehen, was mir angetan wurde, verlosch, als ich die ersten roten Striche wahrnahm. Weiteres Entfernen ziepte entsetzlich und umso weiter ich nach unten gelangte, stach es wie wild und pochte auf eine entsetzliche Weise. Ich wollte es hinter mich bringen, entfernte es vollständig und erschrak.
SCHOCK!
Riesige, rote Narben zogen sich entlang meiner Waden. Einige Tränen sammelten sich und tropften nach und nach hinunter und landeten auf der Wunde. Durch das Jod gut abgeschirmt, merkte ich nicht, wie das Salzwasser sich in die Wunde fraß.
Ich zog entsetzt, ohne jeglichen Bedacht auf die Schmerzen den zweiten Verband ab. Auch hier spiegelte sich eine riesige Pranke wieder. Einem Wolf oder einem Bären hätte ich solch eine Tat zu getraut. Jedoch auf keinem Fall einem Menschen. Nie hätte ich solch eine Wunde mit einem Menschen verbunden. Vielleicht hatte ich ein Tier irgendwie erschreckt und es so in die Enge getrieben. Das musste es sein. Anders konnte ich es mir nicht erklären. Wahrscheinlich streifte so eine Pranke meine Beine und verursachte mir solch ein Grauen.
Die Außenränder waren schon leicht abgeheilt. Die eigentliche Wunde aber klaffte ziemlich stark. Da ich den Verbund gelöst hatte, wurde auch wieder ein Stück der schon verheilten Haut mit abgezogen. Etwas Blut überschwemmte die Verletzung und floß in kleinen Tropfen hinunter auf die weiße Decke des Bettes. Mein Magen wurde flau und alles drehte sich. Ich konnte wohl Blut nicht so gut vertragen. Dennoch kam mir der eisenhaltige Geruch bekannt vor. Ich wollte aber meinen Magen nicht weiter über strapazieren und verdeckte die Wunden wieder mit den Verbänden. Doch auch die Abdeckung verhinderte nicht, dass diese noch leicht rosa hindurch schienen. Ein Stich durchzuckte mich. Erst jetzt realisierte ich, dass meine Beine halbwegs verstümmelt waren. Ob ich jemals wieder ohne Schmerzen laufen konnte?
„Warum passierte mir nur so etwas?“, fragte ich mich verzweifelt von neuem. Und wieder stiegen Tränen hinauf. Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Ich legte mein Gesicht in die Handbeuge meines rechten Arms und versuchte so meine Schmerzen zu ersticken. „Wer bin ich und wer hatte mir das angetan?“, schluchzte ich und wiederholte meine Worte mehrmals hintereinander. Wer bin ich wirklich?

Kommentare (1)

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Amunett (60046)
vor 1214 Tagen
Super geschrieben! Freue mich auf die Fortsetzung...